VET Chain Workshop zum Thema Kaffee: Nachhaltigkeit entlang der Lieferkette beruflich denken
In einem offenen VET Chain Workshop hat GOVET mit SÜDWIND den Blick auf globale Zusammenhänge in der Berufsbildung geschärft: Wo kommt unser Kaffee eigentlich her? Und welche Berufsbilder finden sich in der Lieferkette?
Im Rahmen eines VET Chain Workshops hat GOVET mit fachlicher Unterstützung von Friedel Hütz-Adams von der NGO SÜDWIND e.V. die Lieferkette von Kaffee in den Blick genommen. Ziel war es, Nachhaltigkeit nicht abstrakt zu diskutieren, sondern entlang eines konkreten Produkts sichtbar zu machen: von Anbau, Verarbeitung und Transport bis hin zu Handel, Konsum und den damit verbundenen Qualifikationsanforderungen in der beruflichen Bildung. An diesem Punkt kann die VET Chain ansetzen. Sie macht deutlich, dass sich entlang globaler Liefer- und Wertschöpfungsketten sehr unterschiedliche Arbeits-, Lern- und Ausbildungsbedingungen zeigen und dass Berufsbildung ein wichtiger Hebel ist, um nachhaltige Entwicklung praktisch zu unterstützen.
Kaffee eignet sich in besonderer Weise für diese Perspektive. SÜDWIND beschreibt Kaffee als ein alltägliches Konsumgut, bei dem die globalen sozialen und ökologischen Herausforderungen besonders deutlich werden. Ein großer Teil der weltweiten Kaffeeernte stammt aus kleinbäuerlichen Strukturen. Gleichzeitig weisen niedrige Verkaufspreise in den Konsumländern häufig darauf hin, dass am Anfang der Lieferkette keine existenzsichernden Einkommen und Löhne erreicht werden. SÜDWIND hat diese Zusammenhänge in mehreren Veröffentlichungen untersucht aufgezeigt, wie eng Konsum, globale Wirtschaftsstrukturen und Fragen von Gerechtigkeit miteinander verbunden sind.
Im VET Chain Workshop wurde deutlich, dass Nachhaltigkeit entlang der Kaffeelieferkette viele berufliche Handlungsfelder berührt. Es geht nicht nur um landwirtschaftliche Produktion, sondern auch um Lagerung, Logistik, Qualitätskontrolle, Verarbeitung, Handel, Gastronomie und Bildungsarbeit. Wer berufliche Bildung zukunftsfähig gestalten will, muss diese Zusammenhänge stärker berücksichtigen. Genau hier setzt die VET Chain an: Sie unterstützt dabei, die Perspektive entlang einer Lieferkette einzunehmen, Akteurinnen und Akteure miteinander ins Gespräch zu bringen und die Frage zu stellen, welche Kompetenzen Fachkräfte für eine sozial und ökologisch verantwortliche Gestaltung wirtschaftlicher Prozesse benötigen.
Gerade darin liegt der Mehrwert des Workshops: Die Teilnehmenden konnten Kaffee nicht nur als Konsumprodukt, sondern als Beispiel für globale Verflechtungen und für die Bildungsdimension von Nachhaltigkeit betrachten. Die Auseinandersetzung mit einer konkreten Lieferkette eröffnet einen praxisnahen Zugang zu Fragen, die für die Transformation von Wirtschaft und Arbeitswelt zentral sind: Welche Kompetenzen brauchen Fachkräfte in nachhaltiger werdenden Wirtschaftsprozessen? Wie lassen sich globale Verantwortung, menschenwürdige Arbeit und ökologische Anforderungen in Aus- und Weiterbildungsprozesse integrieren? Und wie kann Berufsbildung dazu beitragen, dass Nachhaltigkeit nicht nur Zielbeschreibung bleibt, sondern Teil beruflicher Praxis wird?
Der gemeinsame Workshop mit SÜDWIND hat gezeigt, dass die Verbindung von fachlicher Expertise zu Lieferketten und einem berufsbildungsspezifischen Zugang einen wichtigen Mehrwert schafft.