Von fliegenden Flüssen und nachhaltigem Kaffeeanbau: Die VET Chain und die Fachkräfte hinter der Tasse Kaffee
Im ersten offenen VET Chain Workshop im Jahr 2026 hat GOVET gemeinsam mit SÜDWIND globale Zusammenhänge in der Berufsbildung beleuchtet. Am Beispiel von Kaffee zeigte der Workshop, wie Nachhaltigkeit entlang einer Lieferkette entsteht und welche Fachkräfte daran beteiligt sind.
Mit fachlicher Unterstützung von Friedel Hütz-Adams von der NGO SÜDWIND e.V. nahm GOVET die Lieferkette „Kaffee“ genauer in den Blick. Der Workshop behandelte Nachhaltigkeit nicht abstrakt, sondern anhand eines konkreten Produkts: vom Anbau über Verarbeitung und Transport bis hin zu Handel und Konsum. Gleichzeitig rückten die damit verbundenen Qualifikations- und Kompetenzanforderungen in der beruflichen Bildung in den Fokus.
Die VET Chain setzt genau hier an. Sie zeigt, dass entlang globaler Liefer- und Wertschöpfungsketten sehr unterschiedliche Arbeits-, Lern- und Ausbildungsbedingungen bestehen. Diese Unterschiede prägen den Arbeitsalltag vieler Menschen und stellen Akteurinnen und Akteure entlang der Kette vor vielfältige Herausforderungen.
Kaffee als Beispiel globaler Zusammenhänge
Kaffee eignet sich besonders gut, um diese Perspektive sichtbar zu machen. SÜDWIND beschreibt Kaffee als ein alltägliches Konsumgut, an dem globale soziale, ökonomische und ökologische Herausforderungen deutlich werden. Ein großer Teil der weltweiten Kaffeeernte stammt aus kleinbäuerlichen Strukturen. Gleichzeitig drücken niedrige Verkaufspreise in den Konsumländern die Einkommen am Anfang der Lieferkette. Viele Produzentinnen und Produzenten erzielen dadurch kein existenzsicherndes Einkommen. SÜDWIND analysiert diese Zusammenhänge seit vielen Jahren und zeigt, wie eng Konsum, globale Wirtschaftsstrukturen und Fragen sozialer Gerechtigkeit miteinander verknüpft sind.
Nachhaltigkeit in der Berufsbildung entlang der Lieferkette denken
Die VET Chain machte deutlich, dass Kaffee weit mehr umfasst als landwirtschaftliche Produktion: Lagerung, Logistik, Qualitätskontrolle, Verarbeitung, Handel, Gastronomie und Bildungsarbeit bilden gemeinsam eine komplexe Wertschöpfungskette.
Eine zukunftsorientierte Berufsbildung muss diese gesamte Lieferkette berücksichtigen. Sie verbindet unterschiedliche Akteurinnen und Akteure und stärkt Kompetenzen für eine sozial und ökologisch verantwortliche Gestaltung wirtschaftlicher Prozesse.
Der Workshop eröffnete den Teilnehmenden eine neue Perspektive auf Kaffee. Sie betrachteten das Produkt nicht nur als Konsumgut, sondern als Beispiel für globale wirtschaftliche Verflechtungen und für die Rolle von Berufsbildung in nachhaltigen Transformationsprozessen.
Die Arbeit mit einer konkreten Lieferkette schafft dabei einen praxisnahen Zugang zu zentralen Fragen der Transformation von Wirtschaft und Arbeitswelt. Berufsbildung kann dazu beitragen, Nachhaltigkeit fest in beruflichen Kompetenzen und Arbeitsprozessen zu verankern.
Globale ökologische Zusammenhänge sichtbar machen
Auch ökologische Prozesse prägen die Produktionsbedingungen entlang der Lieferkette. Ein Beispiel dafür sind die sogenannten „fliegenden Flüsse“ in Brasilien. Luftströmungen transportieren große Mengen Feuchtigkeit aus dem Amazonasgebiet über weite Teile Südamerikas. Diese Wasserströme in der Atmosphäre beeinflussen Niederschläge und damit auch landwirtschaftliche Produktionsbedingungen, unter anderem für den Kaffeeanbau.
Das Beispiel zeigt, wie eng ökologische Prozesse, globale Lieferketten und wirtschaftliche Aktivitäten miteinander verbunden sind.