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Kanada: Intensiver Berufsbildungsdialog

Kanada und Deutschland rücken in der Berufsbildung enger zusammen: Bei hochrangigen Dialogformaten standen Reformen, Arbeitgeberbeteiligung, Inklusion und die Zusammenarbeit von Staat und Wirtschaft im Fokus. GOVET bringt dabei deutsche Expertise in den transatlantischen Austausch ein.

Der Dialog mit dem transatlantischen Partner Kanada hat sich in den letzten Monaten spürbar intensiviert, auch zu Themen der beruflichen Aus- und Weiterbildung. Denn Reformen in diesem Bereich stehen derzeit in Kanada hoch im Kurs. Auch in Kanada spielen Unternehmen eine führende Rolle in der Ausbildung („apprenticeship“). Doch die Zusammenarbeit von Staat und Wirtschaft in der Steuerung und Umsetzung der Ausbildung soll sich verbessern. Industrieorganisationen stehen bereit, Innovation in der beruflichen Bildung voranzubringen, Transformationsprozesse in Arbeit und Lernen zu gestalten und die Ausbildungszugänge und -chancen zu verbessern. Die Zielbegriffe aktueller Berufsbildungsentwicklungen in Deutschland – exzellenter, flexibler, inklusiver – könnten auch auf Kanada gemünzt sein.  

Das für seine Weltoffenheit geschätzte Land sucht gezielt den Austausch mit internationalen Partnern, um die eigenen Reformbestrebungen mit Knowhow aus dem Ausland anzureichern. In Zusammenarbeit mit der deutschen Botschaft in Ottawa organisierte das Canadian Apprenticeship Forum (CAF) am 15. April einen virtuellen Kanadisch-Deutschen Runden Tisch, der vor allem Kompetenzentwicklung im Hinblick auf Arbeitgeberbedarfe in den Blick nahm. Geladen waren Führungspersonen aus Regierung, Behörden, Wirtschaftsverbänden, Gewerkschaften, Bildungs- und Arbeitsmarktorganisationen. In seinen sogenannten „Red Seal“ Programmen nimmt auch Kanada arbeitsbasierte Standardisierungen und Regulierungen von Ausbildungsangeboten vor. Der stellvertretende Leiter von GOVET, Peter Rechmann, stellte zum Vergleich die Funktionsweise des dualen Systems vor. Vor allem die geteilte Verantwortung von Staat, Arbeitgebern und Arbeitnehmern und die nationale Geltung von Standards stießen auf kanadischer Seite auf Interesse.

Kanada und Deutschland sind enge und verlässliche Partner. In den Bereichen „Aus- und Weiterbildung“ sowie „Beschäftigung“ haben wir viele gemeinsame Themen und können enorm voneinander lernen. Es freut uns sehr, dass GOVET als zentrale Anlaufstelle für internationale Partner zum intensiven Austausch beitragen und Brücken zu Akteuren der Berufsbildung auf beiden Seiten bauen kann.

Dr. Ralf Hermann, Leiter von GOVET

Einen Austausch über alle Zeitzonen hinweg organisierte CAF am 20. Mai. Partner des Global Apprenticeship Network (GAN) beteiligten sich aus Australien, Neuseeland und Guatemala und informierten z. B. über Arbeitgeberinitiativen zur Qualitätssicherung und Standardisierung (AUS), die Stärkung der Rolle der Arbeitgeber und Initiativen zur besseren Inklusion bildungsbenachteiligter Bevölkerungsgruppen (NZ) und die Neuaushandlung der Governance-Rollen zwischen Wirtschaft und Staat aufgrund von Forschungsdaten (GUA). Der Austausch belegte eindrucksvoll, wie hoch nach wie vor das Ansehen deutscher dualer Ausbildung im internationalen Raum ist. Im Panel fanden die Ausführungen von Dr. Ralf Hermann, Leiter von GOVET, zu den Mechanismen der Kollaboration von Staat und Wirtschaft, zum Berufsprinzip und zum berufspädagogischen Verständnis von vollständiger Handlungskompetenz besondere Resonanz. Peter Rechmann, stellvertretender Leiter von GOVET, leitete zudem eine Arbeitsgruppe des virtuellen Symposiums und vermittelte anhand der Kosten-Nutzen-Relation die Gründe für das Ausbildungsengagement deutscher Unternehmen und ihre Bereitschaft, in zukunftsfähige Kompetenzen zu investieren.

Die fachlichen Diskussionen geben den Gesprächen Resonanz, die in jüngster Zeit zwischen Kanada und Deutschland auf politischer Ebene zu Bildung, Arbeit und Beschäftigung stattfanden und das große gegenseitige Interesse dokumentieren. Am Rande des Besuchs des kanadischen Vizeministers für Beschäftigung und soziale Entwicklung Paul Thompson wurde GOVET am 21. Mai zu einem technischen Gespräch eingeladen. Ralf Hermann beantwortete dabei Fragen des Ministers unter anderem zur sozialpartnerschaftlichen Steuerung der Berufsbildung in Deutschland, zu Standards und Modularisierung, zur Verzahnung von Aus- und Weiterbildung und zu Herausforderungen der verstärkten Bildungsorientierung auf Hochschulen oder der Inklusion benachteiligter Gruppen und zu Integration und Fachkräftegewinnung. Zu all diesen Themen besteht auf beiden Seiten ein starkes Interesse. Zudem wurde die hohe Wertschätzung für Kanada als Land exzellenter Forschung und als begehrtes Zielland für Auszubildende aus Deutschland vermittelt.