Berufsbildungszusammenarbeit mit Südafrika erhält politischen Rückenwind
Die Berufsbildungskooperation zwischen Deutschland und Südafrika gewinnt an Dynamik: Die Binationale Regierungskommission einigt sich auf einen Aktionsplan zur Zusammenarbeit, kurz danach startet die bilaterale Expertengruppe eine Schulungsreihe zur Weiterentwicklung der beruflichen Lehrerbildung.
Die Binationale Kommission ist das höchste Abstimmungsforum der Kooperation zwischen Südafrika und Deutschland. Sie ist unmittelbar nach dem Ende der Apartheid initiiert worden, um den Transformationsprozess hin zu einer demokratischen und gerechten Gesellschaft zu unterstützen und eine neue Partnerschaft in Wirtschaft, Politik, Kultur und Bildung mit Südafrika aufzubauen.
Unter der Leitung der Außenminister beider Länder kam die „BNK“ am 13. April in Berlin zum zwölften Mal zusammen und beschloss, ihre Zusammenarbeit zu einer „strategischen Partnerschaft“ auszubauen. Zu allen Themenfeldern wurden gemeinsame Aktionspläne verabschiedet. Gegenstand dieser Partnerschaft sind zentrale geopolitische und -ökonomische Handlungsfelder wie das Eintreten für internationales Recht und multilaterale Kooperation im Rahmen der Vereinten Nationen, Friedens- und Sicherheitspolitik, Menschenrechte, Energiepartnerschaft und die Eindämmung der Klimakrise sowie engere Kooperation in Wirtschaft und Handel und in Forschung, Entwicklung und Innovation.
Ein weiteres wesentliches Feld der strategischen Kooperation ist die Berufsbildung. Hier arbeitet das Bundesbildungsministerium – neben langjährigen Aktivitäten der Entwicklungszusammenarbeit und der Außenwirtschaftskooperation – seit 2013 kontinuierlich mit dem südafrikanischen Hochschul- und Ausbildungsministerium (DHET) zusammen. Das zeigt eindrucksvoll, wie Deutschland und Südafrika als verlässlich, langfristig und strategisch zusammenarbeiten.
Der neue Aktionsplan konkretisiert die von Präsident Cyril Ramaphosa und Bundeskanzler Friedrich Merz am Rande des G20-Treffens in Johannesburg im November 2025 formulierte Absicht, die Berufsbildungskooperation zu verstärken. Er knüpft an die laufenden Kooperationsschwerpunkte in der Curriculum- und Lehrpersonalentwicklung, bei der Beteiligung breiter Stakeholder-Gruppen sowie in der Berufsbildungsforschung an. Hinzu kommen Initiativen zur Arbeitsplatzschaffung und zur Ausbildung im Rahmen der Energiepartnerschaft. Die Ausbildungsinitiativen dienen auch dazu, dem Fachkräftemangel zu begegnen – für deutsche Unternehmen in Südafrika und in Deutschland sowie für südafrikanische Unternehmen.
Sinnbildlich für die aktuelle Dynamik in der Kooperation wurde nur drei Tage nach der BNK eine Schulungsreihe gestartet, die die Verbesserung der arbeits- und handlungsbezogenen Kompetenzen des berufsbildenden Personals in Südafrika zum Ziel hat. Partner sind dabei lehrerbildende Institute, die Berufsschullehrer und Berufspraktiker ausbilden. GOVET-Leiter Dr. Ralf Hermann erklärt dazu:
Wir wollen erfolgreiche Projekte zur praxisorientierten Weiterbildung des bereits aktiven Lehrpersonals ergänzen und bereits am Beginn der Kompetenzkette ansetzen. Die Lehrerbildner an Hochschulen sollen darin gestärkt werden, den künftigen Ausbildenden in Colleges, Betrieben und überbetrieblichen Einrichtungen ganzheitliches, eigenständiges und prozessorientiertes Handlungswissen zu vermitteln.
GOVET-Leiter Dr. Ralf Hermann
Gerade die Einführung neuer Curricula, die gemeinsam mit der Wirtschaft entwickelt wurden, biete dafür gute Chancen, erfordere aber zugleich die Stärkung von Umsetzungskompetenzen, betont Dr. Ralf Hermann.
Die von GOVET auf deutscher Seite koordinierte bilaterale Expertengruppe wird die Reihe in acht Online- und Präsenzveranstaltungen umsetzen. Auf deutscher Seite werden die Professoren Michael Gessler (Universität Bremen, Institut Technik und Bildung) und Waldemar Bauer (Universität Erfurt) ihre Praxiserfahrungen in der Berufsschullehrerbildung zur Geltung bringen. Die inhaltliche Struktur der Reihe hatten die südafrikanischen und deutschen Experten bei einem Workshop in Irene bei Johannesburg im November des Vorjahres entwickelt. Sie orientiert sich an den Kompetenzfeldern, die das gemeinsam im November im bilateralen Workshop verabschiedete „TVET Educator Profile“ beschreibt.
Sie umfassen pädagogische, technische, planerische und organisatorische Aufgaben und reagieren zugleich auf die Transformationen in Bildung und Arbeit durch neue Technologien und Prozesse.
Die Resonanz auf die gemeinsame Einladung von BMBFSFJ und DHET zur Schulungsreihe ist groß. Für den Kick-off am 16. April wurden dreißig Hochschullehrende gemeldet, die nun über eineinhalb Jahre begleitend zur eigenen Lehrpraxis in Gruppen zusammenarbeiten und ihre Lehrkompetenz vertiefen werden. Das Format verspricht einen für beide Seiten wertvollen Austausch zum Lehren und Lernen in der beruflichen Bildung.
Die deutsch-südafrikanische Binationale Kommission (BNK) definiert und beschließt Themen von hoher Priorität für die Beziehungen beider Länder. Die gemeinsame Arbeitsgruppe zu Arbeit, Sozialem und Beruflicher Bildung, an der sich mehrere Bundesressorts beteiligen, legt Schwerpunkte der Kooperation in diesen Gebieten fest. Vereinbart wurde bereits 2020, bilaterale Expertengruppen zu bilden und Schwerpunkte der Zusammenarbeit auf Lehrpersonal- und Standardentwicklung (Lecturer and Curricular Development) zu legen. Im April 2026 beschloss die BNK, ihre Zusammenarbeit zu einer „strategischen Partnerschaft“ auszubauen. Zu allen Themenfeldern, darunter die berufliche Bildung, wurden gemeinsame Aktionspläne verabschiedet.
GOVET gestaltet die Berufsbildungskooperation des deutschen Bildungsministeriums (BMBFSFJ) maßgeblich mit und koordiniert die Expertengruppe auf deutscher Seite. Ende Juni 2023 wurde die gemeinsame Absichtserklärung des deutschen Bildungsministeriums mit dem südafrikanischen Ausbildungsministerium verlängert. Sie bildet die Grundlage für die Zusammenarbeit von GOVET mit den südafrikanischen Partnern.