Bilateraler Workshop in Südafrika: Qualifizierung des Lehrpersonals als Schlüssel für Qualität in der Berufsbildung
Unterstützung für das berufliche Bildungspersonal – für Südafrika ist das ein wichtiger Baustein der Transformation des Bildungssystems und des gesellschaftlichen Wandels insgesamt. Deutschland setzt hier den Schwerpunkt seiner bilateralen Kooperation. Der jüngste Workshop brachte Ergebnisse und weitere Aufgaben.
Was im Frühjahr mit einer Studienreise nach Bremen und Hamburg vorbereitet wurde, fand seine Fortsetzung in einem Workshop am 18. und19. November 2025 in Irene bei Pretoria: Ein breites Forum von Beteiligten der Aus- und Weiterbildung in Südafrika kam zusammen, um gemeinsam mit der deutschen Expertengruppe zur bilateralen Berufsbildungskooperation Maßnahmen zur Stärkung des Berufsbildungspersonals zu entwickeln. Als erstes Produkt beschlossen die Teilnehmenden ein Profil für Berufsbildungspersonal („TVET Educator Profile“), das in Kürze vom Ministerium für Hochschul- und Berufsbildung (Department of Higher Education and Training, DHET) als verbindlicher Orientierungsrahmen verabschiedet wird. Die Profilbeschreibung umfasst weite Kompetenzfelder („domains“), die bei der Ausbildung des Lehrpersonals integriert werden müssen. Sie bietet lehrerbildenden Einrichtungen ebenso wie ihren Studierenden eine Orientierung zu Qualitätsanforderungen an die Ausbildung des künftigen Lehrpersonals. Zugleich soll sie dazu beitragen, die gesellschaftliche Anerkennung des Berufsbildungspersonals zu stärken.
Berufsbildung findet in Südafrika überwiegend in Colleges statt; die Bildungspolitik arbeitet mit der Wirtschaft daran, College-Ausbildungen durch mehr arbeitsplatzintegrierte Lernanteile praxisnäher zu gestalten. Dafür bietet die deutsche duale Berufsbildung einen wichtigen Bezugsrahmen. Prof. Michael Gessler, Lehrstuhlinhaber und Abteilungsleiter am Institut Technik und Bildung (ITB) der Universität Bremen und Mitglied der deutsch-südafrikanischen Expertengruppe, betonte den Nutzen für beide Seiten:
Die südafrikanische Profilbeschreibung ist anders aufgebaut als unsere KMK-Standards für die Lehrerbildung, und sie zielt spezifisch auf Berufschullehrende. Der Vergleich lohnt sich und wird auch unseren Diskurs in Deutschland bereichern.
Prof. Michael Gessler, Lehrstuhlinhaber und Abteilungsleiter am ITB der Universität Bremen
Dass lehrerbildende Hochschulen, Colleges, wirtschaftsnahe Bildungseinrichtungen und Standardisierungsbehörden gemeinsam Verantwortung für die Lehrerbildung an Universitäten übernehmen wollen, ist selbst ein wichtiger Schritt, zu dem die bilaterale Kooperation maßgeblich beigetragen hat. Zwischen den Partnern der bilateralen Kooperation des deutschen und südafrikanischen Bildungsministeriums (BMBFSFJ und DHET) ist über Jahre eine verlässliche Vertrauensbasis gewachsen. Das ermöglichte auch, sich sehr offen über aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen bei der Umsetzung neuer Curricula in der Lehrerbildung auszutauschen.
Gemeinsam mit der breiten Stakeholder-Gruppe wurden auch nächste Schritte der Kooperation konzipiert. Die deutschen Experten – neben Michael Gessler nahm Prof. Waldemar Bauer, Lehrstuhlinhaber für Didaktik der Technik und technisch-gewerblicher Fachrichtung an der Universität Erfurt, am Workshop teil – wurden gebeten, eine Reihe von Online- und Präsenzangeboten zur Qualifizierung von Lehrkräften der lehrerbildenden Einrichtungen anzubieten. Die Reihe folgt den Kompetenzfeldern des zuvor verabschiedete „Profils“ und soll in den Jahren 2026 und 2027 umgesetzt werden.
Weitere Informationen
Die Bilaterale Expertengruppe zur Berufsbildung wurde auf südafrikanische Initiative von der Binationalen Kommission 2020 vereinbart und 2023 vertieft. Sie ist ein wesentlicher Baustein der bilateralen Berufsbildungskooperation des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) mit dem südafrikanischen Ministerium für Hochschul- und Berufsbildung (DHET). Vereinbarte Themenschwerpunkte sind derzeit die Stärkung des Berufsbildungspersonals und die Unterstützung bei der Entwicklung von arbeitsbasierten Ausbildungsstandards; Interesse besteht zudem am Dialog zu transformationsrelevanten Themen wie Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz in der beruflichen Bildung. GOVET koordiniert die Expertengruppe auf deutscher Seite fachlich und administrativ.