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Zwischenbilanz 2026: Das Beratungstool VET Chain auf Erfolgskurs

Von der Bohne bis zum Kaffee in der Tasse, vom Eisenerz zur Metallspindel: Die VET Chain zeigt die Arbeits- und Ausbildungsbedingungen globaler Lieferketten. Rund 80 Teilnehmende diskutierten im 1. Halbjahr 2026 in neun Workshops über Nachhaltigkeit – in Deutschland und im internationalen Raum.

Den Auftakt bildete im Januar 2026 eine Fachveranstaltung von Engagement Global in Bonn mit rund 50 Vertreterinnen und Vertretern der Zivilgesellschaft. Das GOVET-Team führte einen verkürzten Workshop mit dem Beratungstool „VET Chain“. Die Teilnehmenden betrachteten die Wertschöpfung von Schokolade und waren sich einig, dass der Fokus auf faire und nachhaltige Bedingungen am Anfang der Lieferkette auf die gesamten Lieferkette hin ausgeweitet werden muss und, dass dies Auswirkungen auf die Wertschätzung und das Konsumverhalten hat.

Im ersten offenen VET Chain Workshop im März 2026 hat GOVET gemeinsam mit der Bonner NGO SÜDWIND e.V. globale Zusammenhänge in der Berufsbildung beleuchtet. Am Beispiel von Kaffee zeigte der Workshop, wie Nachhaltigkeit entlang einer Lieferkette entsteht – und welche Fachkräfte daran beteiligt sind. Mit fachlicher Unterstützung von Friedel Hütz-Adams von SÜDWIND nahm GOVET die Lieferkette des Kaffees genauer in den Blick. Der Workshop behandelte Nachhaltigkeit nicht abstrakt, sondern anhand eines konkreten Produkts: vom Anbau über Verarbeitung und Transport bis hin zu Handel und Konsum. Gleichzeitig rückten die damit verbundenen Qualifikations- und Kompetenzanforderungen in der beruflichen Bildung in den Fokus.

Globale Herausforderungen und komplexe Strukturen

Die VET Chain zeigt, dass entlang globaler Liefer- und Wertschöpfungsketten sehr unterschiedliche Arbeits-, Lern- und Ausbildungsbedingungen bestehen. Diese Unterschiede prägen den Arbeitsalltag vieler Menschen und stellen Akteurinnen und Akteure entlang der Kette vor vielfältige Herausforderungen, so auch beim Kaffee. SÜDWIND beschreibt Kaffee als ein alltägliches Konsumgut, an dem globale soziale, ökonomische und ökologische Herausforderungen deutlich werden.

Berufsbildung als Motor der nachhaltigen Transformation

Eine zukunftsorientierte Berufsbildung bezieht die gesamte Lieferkette mit ein. Sie verbindet unterschiedliche Akteurinnen und Akteure und stärkt Kompetenzen für eine sozial und ökologisch verantwortliche Gestaltung wirtschaftlicher Prozesse. Der Workshop eröffnete den Teilnehmenden eine neue Perspektive auf Kaffee: als Beispiel für globale wirtschaftliche Verflechtungen und für die Rolle von Berufsbildung in nachhaltigen Transformationsprozessen. Die Arbeit mit einer konkreten Lieferkette schafft dabei einen praxisnahen Zugang zu zentralen Fragen der Transformation von Wirtschaft und Arbeitswelt. Berufsbildung kann dazu beitragen, Nachhaltigkeit fest in beruflichen Kompetenzen und Arbeitsprozessen zu verankern.

Die Lieferkette des Kaffees war auch Bestandteil eines internen Workshops im April im BIBB, an dem unter anderem der BIBB-Forschungsdirektor Professor Dr. Hubert Ertl teilnahm. Er betonte, dass die VET Chain didaktisch klar strukturiert ist und so einen Mehrwert der Verbindung von Lieferkettenperspektiven mit einem berufsbildungsspezifischen Ansatz bietet.

Vom Eisenerz zur Metallspindel

Beim Workshop mit dem Bildungswerk der Sächsischen Wirtschaft im April betrachtete das GOVET-Team gemeinsam mit Ausbilderinnen und Ausbildern, Berufsschullehrkräften und dem Team von BBNE-EcoNet die Lieferkette einer Spindel. Welche Berufe gibt es? Vor welchen Herausforderungen stehen die Betriebe und welche Lösungsansätze kann es geben? Wie kann das Thema Nachhaltigkeit in der Ausbildung ganz konkret umgesetzt werden? Nach Betrachtung der Lieferkette entwickelten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erste Ansätze für mögliche Projekte mit ihren Auszubildenden: Recycling-Projekte, ein Bauwagen als Treffpunkt für Azubis, die Wiederverwertung von Abfallprodukten wie Schlacke und eine VET Chain mit Auszubildenden.

Teilnehmende der VET Chain nehmen sich Materialien (Karten)
BBNE-EcoNet

Wien und Berlin: Nachhaltigkeit bei den Verkehrsbetrieben

Was in einem VET-Chain Workshop Training für Trainers für Marlies Unterweger, aus dem Lehrlingsmanagement der Wiener Linien begann, entwickelte sich im ersten Halbjahr 2026 zu einem Green Erasmus-Projekt, gefördert von der Europäischen Union. In dem Projekt arbeiten das Österreichisches Institut für Berufsbildung (öibf), das auch BIBB-Partnerinstitut ist, die Wiener Stadtwerke und die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) zusammen. Die Wiener Stadtwerke wollen den gesamten Konzern bis 2040 klimaneutral aufstellen. Hierzu gehört auch der Umgang miteinander, die Vielfalt im Unternehmen und der ressourcenschonende ökonomische Einsatz der Betriebsmittel. Das Thema ist also von so großer Relevanz, dass auch die Ausbildungsleitung der Wiener Stadtwerke anreiste und bei der VET Chain zur Wertschöpfungskette von Reifen zusammen mit Auszubildenden und Ausbildenden der BVG dabei war. Engagiert wurde diskutiert und gerade hinsichtlich der deutschen Standardberufsbildposition „Umweltschutz und Nachhaltigkeit“. Die Wiener Stadtwerke möchten in allen 21 Berufsbildern Nachhaltigkeit und Vielfalt aufnehmen. Auch im zweiten Halbjahr geht die Zusammenarbeit mit den Wiener Stadtwerken weiter.

Deutsch-dänischer Austausch zu nachhaltiger Berufsbildung

Die regionalen Partnerschaften zwischen dem Bundesland Schleswig-Holstein und dem Nachbarland Dänemark ist traditionell stark und lebt vom Austausch, der auch auf Ebene der beruflichen Bildung stattfindet. Das Thema Nachhaltigkeit spielt dabei seit Jahren eine große Rolle. Das regionale Berufsbildungszentrum in der Stadt Schleswig ist ein Leuchtturm in der Berufsbildung und tritt immer wieder aus dem Schatten der nahegelegenen Metropole Hamburg. So war es naheliegend, dass Anfang Juni Kirsten Lemke, die Schulleiterin, dänische Kolleginnen und Kollegen des IBC Kolding zur VET Chain Kaffee einlud. Mit dabei auch der Geschäftsführer Lucas Burghardt der Spezialkaffeerösterei ONOMA aus Flensburg. Das kleine Unternehmen setzt sich intensiv mit der eigenen Lieferkette auseinander; hierbei geht es um Transparenz und um faire Beziehungen zu Produzierenden und Importeurinnen und Importeuren. Zusammen mit den dänischen Kolleginnen und Kollegen wurde die VET Chain in ihrem Kontext vor Ort in der Plantage, bei der Trocknung, Transport, Verschiffung, Lagerung und Röstung entwickelt.

VET Chain international: Ghana, Georgien und die Philippinen

Dass das Beratungstool VET Chain auch im Ausland funktioniert, konnte schon in den vergangenen Jahren mit einigen Partnerländern und Delegationen erprobt werden. Im ersten Halbjahr 2026 fanden weitere Workshops im internationalen Kontext statt: So setzten sich die Mitarbeitenden der Commission for TVET in Ghana mit der Lieferkette des Kakao auseinander, mit einer georgischen Delegation wurde die Lieferkette von Haselnüssen betrachtet und an der philippinischen Botschaft wurde über getrocknete Mangos diskutiert.

Die Erfahrungen mit den Kolleginnen und Kollegen zeigte, dass gerade am Anfang der Lieferkette in der Ernte oder im Rahmen der Bereitstellung der Rohstoffe die Aspekte der Arbeitsbedingungen und Zugängen der Vermarktung in die internationalen Lieferketten eine größere Bedeutung haben.

Wir haben ein tieferes Verständnis für das Ausmaß und die Bedeutung von technischen Berufskompetenzen entlang der Wertschöpfungsketten gewonnen und dafür, wie die Ökologisierung in diesen Ketten verankert werden muss. Es war ein anregender Workshop, der einen Überblick über die Schnittstellen von technischer Berufsausbildung, den Anforderungen der Wertschöpfungskette und Kreislaufwirtschaft gegeben hat.

Maria Teresa T. Almojuela, Botschafterin der Philippinen in der Bundesrepublik Deutschland

Die philippinische Botschaft lobte den Workshop, da er die Unterstützung für die Technical Education and Skills Development Authority (TESDA) stärkt und gleichzeitig neue Wege aufgezeigt hat, wie man mit BIBB-GOVET zusammenarbeiten kann, um die Kooperation zwischen den Philippinen und Deutschland im Bereich TVET, insbesondere bei grünen Arbeitsplätzen, zu fördern.