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Berufsbildung international gemeinsam gestalten: Impulse, Perspektiven und Austausch

Eine Fachkonferenz brachte zentrale Akteure der internationalen Berufsbildungszusammenarbeit im BIBB zusammen. Im Fokus stand die Frage, wie internationale Kooperation dazu beitragen kann, aktuelle Herausforderungen zu bewältigen und die Berufsbildung zukunftsfähig zu gestalten.

Dr. Sandra Garbade, Präsidentin des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB)

Am 1. Oktober 2026 kamen bei der Fachkonferenz „Berufsbildung international gemeinsam gestalten“ im Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn über 110 Vertreterinnen und Vertreter der Bundesressorts, der Länder, der Sozialpartner, der Kammerorganisationen, von Durchführungsorganisationen sowie weitere Akteure der internationalen Berufsbildungszusammenarbeit zusammen. Im Mittelpunkt stand der Austausch darüber, wie Deutschland und seine Partner auf aktuelle Veränderungen in der Berufsbildung, der Arbeitswelt und den internationalen Beziehungen reagieren, voneinander lernen und die internationale Berufsbildungszusammenarbeit (iBBZ) gemeinsam weiterentwickeln können

Dabei griff die Konferenz zentrale Transformations- und Zukunftsthemen auf, die die Berufsbildung in Deutschland und den Partnerländern gleichermaßen prägen: Digitalisierung und Künstliche Intelligenz, Klimawandel und Energiewende, Nachhaltigkeit sowie den zunehmenden Fachkräftemangel. Diskutiert wurde, wie diese Entwicklungen in der internationalen Berufsbildungszusammenarbeit aufgegriffen werden können, welche Erfahrungen und Lösungsansätze sich gegenseitig nutzbar machen lassen und wie Berufsbildungszusammenarbeit und Erwerbsmigration künftig noch stärker miteinander verzahnt werden können. Die von GOVET im Auftrag der Bundesregierung organisierte Fachkonferenz ist eingebettet in die Arbeit des Runden Tisches für internationale Berufsbildungszusammenarbeit. Die Bundesregierung arbeitet derzeit an einer Anpassung der Strategie für internationale Berufsbildungszusammenarbeit.

Unmittelbar vor der Fachkonferenz kamen die Mitglieder des Runden Tisches auf Ressort- und Akteursebene zusammen. Bei den Ressorts standen unter anderem der aktuelle Anpassungsprozess der Strategie der Bundesregierung, Aktivitäten zur Fachkräftegewinnung sowie Länderinformationen und geplante Maßnahmen auf der Agenda. Der Runde Tisch der Akteure widmete sich mit dem deutsch-italienischen Kooperationsprojekt „ConnActions“ sowie dem iMOVE-Trendbarometer 2026 aktuellen Entwicklungen der internationalen Berufsbildungszusammenarbeit.

Die anschließende Fachkonferenz war sowohl eine Standortbestimmung als auch eine Orientierung für die gemeinsame iBBZ der nächsten Jahre sein. Zudem diente sie dem Netzwerk der in der iBBZ engagierten Organisationen zum Austausch und zur Pflege ihres Netzwerks. GOVET konzipierte und gestaltete die Veranstaltung. Julia Olesen, Projektleiterin bei GOVET, führte durch das Programm.

Berufsbildung als gemeinsame Gestaltungsaufgabe

Dr. Sandra Garbade, BIBB

Eröffnet wurde die Fachkonferenz von BIBB-Präsidentin Dr. Sandra Garbade und Stefan Schneider, Referatsleiter Erasmus, Internationale Zusammenarbeit in der Berufsbildung im Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ). Dr. Sandra Garbade stellte in ihrer Begrüßung die Bedeutung des gegenseitigen Lernens und des internationalen Austauschs für die Weiterentwicklung der beruflichen Bildung in den Mittelpunkt.

Viele der aktuellen Herausforderungen wie der demografische Wandel und der sich damit verschärfende Fachkräftebedarf, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz sowie die ökologische Transformation sind nicht nur in Deutschland hoch relevant. „Die internationale Zusammenarbeit und Kooperationen dienen der Weiterentwicklung des Berufsbildungssystems. Und es geht darum, gemeinsam Lösungen zu finden“, betonte Dr. Sandra Garbade. „Internationale Zusammenarbeit ist keine Einbahnstraße. Wir bringen unsere Erfahrungen ein und schauen auch auf die Länder und die besonderen Herausforderungen. Und was deutlich wird, ist: Wir beschäftigen uns mit ähnlichen Fragen und der Kern guter internationaler Zusammenarbeit ist dann gegeben, wenn dieser Dialog gelingt“, so Dr. Garbade.

Auch ging sie auf das Thema der Erwerbsmigration ein und hob hervor, dass berufliche Bildung attraktiv, durchlässig und anschlussfähig bleiben müsse und für unterschiedliche Bildungsbiografien gelten müsse, „egal ob Sie in Deutschland die Schullaufbahn durchlaufen haben und erste berufliche Erfahrungen gesammelt haben oder sich im Ausland qualifiziert haben.“

Im BIBB sei diese internationale Perspektive fester Bestandteil der Arbeit, über alle Abteilungen hinweg. Internationales Agieren werde neben der übrigen Arbeit des BIBB stehen. Es sei mit Forschung, Ordnungsarbeit, Politikberatung und Transfer verbunden.

Stefan Schneider, BMBFSFJ

Stefan Schneider, Referatsleiter für internationale Berufsbildungszusammenarbeit, ordnete die Fachkonferenz aus Sicht des BMBFSFJ in die aktuellen Entwicklungen der internationalen Berufsbildungszusammenarbeit (iBBZ) ein. Dabei ging er insbesondere auf die laufende Weiterentwicklung der Strategie der Bundesregierung zur internationalen Berufsbildungszusammenarbeit ein. Die beteiligten Bundesministerien wären aktuell dabei, eine Aktualisierung der Strategie mit Blick auf das Thema Fachkräfte Einwanderung zu prüfen und zu diskutieren.

Schneider hob hervor, dass sein Referat sich seit mehreren Jahren mit der Frage befasse, „wie können wir iBBZ und Fachkräfte sowie Fachkräftegewinnung stärker und integrierter zusammendenken, ohne den Markenkern der etablierten iBBZ zu gefährden?“

Auch er betonte die Bedeutung des Voneinander-Lernens in der internationalen Berufsbildungszusammenarbeit. Wichtig sei es, Erfahrungen aus internationalen Projekten stärker in Politik und Praxis in Deutschland zurückfließen zu lassen und internationale Berufsbildungszusammenarbeit und Berufsbildung in Deutschland noch enger zusammenzudenken. Zugleich verwies er auf die über Jahre gewachsene „iBBZ-Community“. Etablierte Netzwerke und die Kultur des Austauschs in der internationalen Berufsbildungszusammenarbeit böten eine gute Ausgangsvoraussetzung für dieses gegenseitige Lernen. Das Ministerium habe eine Förderrichtlinie unter dem Namen InternationalVET, um im Ausland gute Berufsbildungspraxis zu identifizieren. Er kündigte zudem eine zeitnahe Befassung mit dem Thema China-Kompetenz in der Berufsbildung an.

Die Beiträge zum Auftakt machten deutlich: Internationale Berufsbildungszusammenarbeit lebt vom Dialog und davon, Erfahrungen unterschiedlicher Länder, Institutionen und Akteure zusammenzuführen. Die Fachkonferenz bot hierfür eine gemeinsame Plattform.

Unterschiedliche Perspektiven, gemeinsame Herausforderungen

Bild von den Teilnehmenden der Ressort-Interviews

Die Zusammenarbeit mit Akteuren der deutschen Berufsbildung ist nach wie vor weltweit gefragt. Doch die Voraussetzungen, unter denen sie gestaltet wird, haben sich spürbar verändert. Wirtschaftliche Herausforderungen, der Wandel der Arbeitswelt und veränderte außenpolitische Wirkfaktoren verlangen auch von der Berufsbildungskooperation kritische Standortbestimmungen. Welche regionalen und thematischen Schwerpunkte die Bundesressorts setzen wollen, war Gegenstand einer Paneldiskussion mit Vertreterinnen und Vertretern von fünf Bundesministerien. Moderiert wurde die Gesprächsrunde von Dr. Ralf Hermann, Leiter GOVET.

Florian Burkhardt, Leiter des Referats Außenwirtschaftsförderung im Auswärtigen Amt, ordnete die berufliche Bildung in das Portfolio der Außenbeziehungen ein. In vielen deutschen Auslandsvertretungen sei nach wie vor zu spüren, welchen guten Ruf die berufliche Bildung in Deutschland habe. Die Partner suchten immer wieder den Austausch und fragten nach deutschem Know-how. Und sie wüssten, dass Deutschland ein Vertrauenspartner ist, der sich langfristig und verlässlich engagiert. Die berufliche Bildung bleibe auch in Zeiten der Transformation ein wichtiger Bereich der Diplomatie, mit dem Partner gewonnen und Austausch und Verständigung ermöglicht würden.

Für die Entwicklungszusammenarbeit bilde berufliche Bildung in zwei Drittel der Partnerländer einen Schwerpunkt, und überall werde dieses Engagement hoch geschätzt, so Dr. Veronika Ulbert, Referatsleiterin für Beschäftigung, Berufsbildung und Fachkräftegewinnung im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Ihr Referat hat sich entlang neuer programmatischer Linien aufgestellt. Als Bestandteil der Abteilung für wirtschaftliche Zusammenarbeit rücke es noch näher an die Unternehmenswelt, den Arbeitsmarkt und die Beschäftigungspolitik heran, Berufsbildungskooperation ist noch stärker in diese Kontexte integriert. Dabei schaue das BMZ zunehmend auf den Nutzen, den die Entwicklungszusammenarbeit auch für Deutschland bringen kann. Die Qualifizierung junger Menschen im Ausland solle stärker darauf ausgerichtet werden, dass sie Anschlüsse sowohl an den Arbeitsmarkt im Partnerland als auch an den in Deutschland ermögliche. Dazu sei die enge Zusammenarbeit mit den Unternehmen der Außenwirtschaft entscheidend. Die Fachkräfteallianz der Bundesregierung mit der Wirtschaft ermögliche eine strategische Ausrichtung der Initiativen. Der Beitrag zur Fachkräftegewinnung sei ein zunehmend wichtiger Schwerpunkt der Arbeit des BMZ.  

Dr. Tholen Eekhoff, Referatsleiter Außenwirtschaftsförderung im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) legte dar, dass die Wettbewerbsfähigkeit der Exportwirtschaft auch unter erschwerten geopolitischen und geoökonomischen Voraussetzungen erhalten bleiben müsse. Dazu gehöre auch, dass sie an ihren Standorten gut qualifizierte Fachkräfte aus- und weiterbilden. Als Erfolgsgeschichte hob er die Skills Experts hervor, die das BMWE seit 2019 an zahlreiche deutsche Auslandshandelskammern entsandt habe. Sie hätten Ausbildungsstrukturen in den Unternehmen und in ihren lokalen Netzwerken gestärkt und insbesondere kleineren und mittelständischen Unternehmen erfolgreiche Aus- und Weiterbildung ermöglicht. Das gemeinsam mit der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) umgesetzte Programm werde noch bis 2027 laufen. An vielen Standorten seien Strukturen entstanden, die sich selbst tragen und weiterwirken können. Das Programm sei daher auch ein exzellentes Beispiel dafür, wie staatliche Anschubförderung in nachhaltige gute Praxis münde.

Carolin König vertrat in der Diskussion das Referat Internationale Beschäftigungs- und Sozialpolitik des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS). Sie wies darauf hin, dass die Verbindung ihres Ressorts zur internationalen Berufsbildungszusammenarbeit vor allem in der Weiterbildung liege. Dabei hob sie hervor, dass es auf die gute Abstimmung von Instrumenten unter verschiedenen Ressortzuständigkeiten ankomme. Nationale Weiterbildungsstrategie, Fachkräftestrategie und die Strategie zur internationalen Berufsbildungszusammenarbeit würden abgeglichen, der Runde Tisch zur iBBZ sei dafür sehr nützlich. Für das Thema Fachkräftegewinnung lägen Kernzuständigkeiten beim BMAS. Qualifizierungsmaßnahmen sowohl im Ausland als auch im Inland sowie ein Zusammenwirken aller Beteiligten entlang eines Einwanderungsweges seien essenziell.

Impressionen der Ressort-Interviews

Aus Sicht des fachlich zuständigen Bundesbildungsministeriums wies Stefan Schneider auf die Chancen hin, die der neue Ressortzuschnitt biete. Im Kontext von Jugend und Familie seien erfolgreiche berufliche Bildungswege wesentlich, um jungen Menschen Lebenschancen zu eröffnen und zugleich die Fachkräftebasis der deutschen Wirtschaft zu erhalten. Das gelte ähnlich auch für Unternehmen im Auslandsgeschäft. Schneider berichtete zudem, dass die erfolgreiche Berufsbildungskooperation im Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) als gutes Beispiel für die Internationalisierung  des gesamten Aufgabenportfolios des Hauses geschätzt werde. Zudem führte er aus, dass sein Haus mit mehreren Instrumenten zur Fachkräftegewinnung beitrage. So stärke es die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse, unterstütze über die Initiative „iMOVE - Training Made in Germany“ Angebote deutscher Bildungsanbieter zur Qualifizierung ausländischer Fachkräfte und nutze das bei GOVET jahrelang aufgebaute Knowhow zur Beratung in der internationalen Berufsbildungszusammenarbeit (iBBZ): als Anlaufstelle für deutsche und internationale Partner und als Geschäftsstelle des Runden Tisches und auch für Fragen der Fachkräftegewinnung. Schneider bekräftigte zudem, dass die internationale Berufsbildungszusammenarbeit reaktionsfähig sei. 

Eine zentrale Botschaft der Veranstaltung betonte zunächst Stefan Schneider während der Panel-Diskussion: Neben unserer Beratungskompetenz müssen wir in der internationalen Kooperation gezielt die Fähigkeit ausbauen, Kenntnisse und Anregungen aus dem Ausland nach Hause zu bringen. Strukturen und Haltungen müssten sich darauf ausrichten, die wertvollen Beobachtungen im Ausland aktiv aufzunehmen und zu verwerten. Darauf ziele die jüngste Förderrichtlinie des BMBFSFJ zur Berufsbildungskooperation „InternationalVET“
Die Runde der Ministerien machte deutlich: Berufsbildung ist und bleibt ein Topthema der internationalen Beziehungen. Dreizehn Jahre koordinierte iBBZ bieten ein Muster dafür, wie eng und wirksam Ressorts und Umsetzungsakteure zusammenarbeiten können. Die Erfahrungen gilt es zu nutzen und weiterzuentwickeln, um neue Themen zu integrieren und wirksame Berufsbildungsdiplomatie auch in einem veränderten internationalen Gefüge zu gestalten.

Berufsbildungsforschung auf den Punkt gebracht

Bild von den VET Slam Teilnehmenden

Beim VET-Slam „Aus der Berufsbildungsforschung des BIBB“ wurde die Perspektive gewechselt: Fünf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler präsentierten Themen ihrer Arbeit in kurzen und pointierten Beiträgen. VET steht dabei für Vocational Education and Training. Das Spektrum reichte von Künstlicher Intelligenz und Weiterbildung über digitale Lernangebote und Fragen der Mündigkeit bis hin zu Humor in der Ausbildung.

Mit dabei waren Dr. Oliver Nahm mit „Die Geister, die ich promptete“, Dr. Mortimer Schlieker mit „Weiterbildung ist Betriebssache. Aber für wen?“, Isabelle Schlender mit „Ausbilden mit Leando und Lea“, Sebastian Ciolek mit „Mündigkeit und Berufsbildung“ und Julia Raecke mit „Humor in der Ausbildung“.

In wenigen Minuten komplexe Forschung verständlich, zugespitzt und unterhaltsam zu vermitteln – das ist die Idee des VET-Slams. Die fünf Mitarbeitenden des BIBB meisterten diese Herausforderung und boten neben Fachwissen beste Unterhaltung. Das Publikum bekam so eine Vielzahl von Anregungen und Ideen für die eigene Arbeit: vom Nutzen und den Grenzen des Einsatzes von KI am Arbeitsplatz und in der Ausbildung, über die Frage, wie erfolgreiche Weiterbildung organisiert wird bis hin zu pädagogischen Fragestellungen, die die Ausbildung nicht nur bei uns betreffen.

Der VET-Slam zeigte damit nicht nur die thematische Bandbreite der Berufsbildungsforschung im BIBB, sondern auch, welche Impulse die Forschung für die praktische und politische Gestaltung der iBBZ geben kann.

Impressionen des VET-Slams

Internationale Zusammenarbeit in der Praxis

Wie vielfältig internationale Berufsbildungszusammenarbeit konkret aussieht, zeigte die sogenannte Warp-Konferenz, bei der Akteure ihre Projekte und Erfahrungen vorstellten. Der Name „Warp“ leitet sich dabei vom schnellen Raumschiffantrieb einer bekannten Science-Fiction-Serie ab, mit dem man unbekannte Welten erkunden kann. Das in Gruppen eingeteilte Plenum geht dabei von einem Raum zum anderen, um sich durch die jeweiligen Vortragenden komprimiert informieren zu lassen. Sechs Beispiele aus der Praxis konnten so dem Publikum präsentiert werden.

Thilo Klingebiel, Geschäftsführer des Weltverbands Deutscher Auslandsschulen e. V., stellte die Rolle der Deutschen Auslandsschulen in der internationalen Berufsbildungszusammenarbeit vor. Weltweit gibt es 135 von Deutschland anerkannte Deutsche Auslandsschulen, darunter auch Berufsbildungszentren und Berufsschulen. Deren Absolventinnen und Absolventen orientieren sich häufig in Richtung Deutschland und bieten somit auch ein Fachkräftepotenzial auf allen Ebenen des Bildungssystems. Mehr Praxisangebote von Firmen in Deutschland und eine Karriereberatung, die die Chancen beruflicher Pfade besser bekannt macht, böten Potenziale für frühe Bindungen. Zudem solle das Beispiel von Auslandsschulen, die erfolgreich berufliche Pfade etabliert haben, an weiteren geeigneten Standorten als Vorbild dienen.

Björn Huxoll, Referatsleiter Berufliche Ausbildung bei der IHK Ostwestfalen zu Bielefeld, berichtete über die Entwicklung und Erprobung innovativer Berufsbildungskonzepte in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Das Projekt zeigt, wie Elemente deutscher Berufsbildung auf lokale Rahmenbedingungen übertragen und dabei weiterentwickelt werden können. Die lokalen Partner brachten sich mit einem innovativen KI-gestützten digitalen Berichtsheft ein. Und ein Lernimpuls für uns: Bei sehr unterschiedlichen Eintrittsniveaus werden die Lernenden „da abgeholt, wo sie gerade stehen.“

Impressionen der Warp-Konferenz

Unter dem Titel „BIBB-Beratung für Indonesien – ein gelungenes Rezept?“ präsentierten Luca Jelic und Johanna Elsässer, beide Projektleitende im BIBB, ihre Erfahrungen aus der Zusammenarbeit mit Indonesien. Anhand der Analogie eines Kochrezepts untersuchten sie den Prozess der Beratung zum institutionellen Aufbau der Sozialpartnerschaft im Auftrag der GIZ - von der Speisekarte über die Bestellung durch die Partner, die Auswahl deutscher und lokaler Zutaten bis hin zur Frage, wie viele und welche Köche zum Einsatz kommen. Jelic und Elsässer präsentierten ihre eigene Beratungserfahrung auch als kontinuierlichen Prozess des Lernens und Anpassens an die Gegebenheiten im Partnerland.

Aus Ägypten berichtete Farida El Zakzouk, School Transformation Advisor bei der GIZ, über die Ergebnisse der Comprehensive Technical Education Initiative Egypt II und damit über ein Beispiel für eine Multi-Stakeholder-Kooperation. Ziel des Vorhabens ist unter anderem, die ägyptische Berufsbildungsreform arbeitsmarktrelevanter, qualitativ besser, transparenter und geschlechtergerechter zu gestalten. Dabei wird sich eng an deutschen Standards orientiert, auch mit Blick auf den deutschen Arbeitsmarkt. Zu diesem Zweck werden Handwerkskammern, Industrie- und Handelskammern sowie das BIBB für Fragen der Anerkennung eingebunden.

Mads Haugbølle Behrendsen, UN-Jugenddelegierter für berufliche Bildung, und Aske Christiansen, Vorsitzender des Dänischen Verbands der Berufsschüler, stellten unter dem Titel „Youth Participation in VET in Denmark“ die Beteiligung junger Menschen an der beruflichen Bildung in Dänemark vor. Der englischsprachige Beitrag gab Einblicke in die Rolle und Perspektiven von Jugendlichen bei der Gestaltung der beruflichen Bildung, die per Gesetz in Dänemark sowohl in übergeordneten als auch in branchenspezifischen Berufsbildungsgremien vertreten sind. Der Impuls aus dem Nachbarland fand starke Resonanz im weiteren Verlauf der Konferenz. 

Oliver Strub, Winzermeister und Bildungsreferent bei der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, berichtete unter dem Titel „Das Wein-Netzwerk in ConnActions: Wenn deutsche und italienische Winzer voneinander lernen“ über den grenzüberschreitenden Austausch zwischen deutschen und italienischen Winzern. Der Weinbau ist in Italien wie in Deutschland besonders vom Klimawandel betroffen. Das Projekt zeigt, wie internationale Zusammenarbeit zur Lösung solcher Probleme genutzt werden kann, durch Erfahrungsaustausch, durch Lernen voneinander und die gemeinsame Erarbeitung von Konzepten für die Aus- und Weiterbildung.

Projekte der Warp-Konferenz

Deutsche Auslandsschulen in der iBBZ

Thilo Klingebiel, Weltverband Deutscher Auslandsschulen e. V.

Weltweit gibt es 135 von der Bundesrepublik anerkannte Deutsche Schulen im Ausland – darunter Berufsbildungszentren und Berufsschulen. Der Weltverband Deutscher Auslandsschulen (WDA) vertritt die Interessen der freien, gemeinnützigen Schulträger der Deutschen Auslandsschulen gegenüber der deutschen Politik und der Öffentlichkeit, bringt die Expertinnen und Experten aus den Schulen durch regelmäßige Veranstaltungen in einem globalen Netzwerk zusammen und unterstützt sie mit exklusiven Dienstleistungen.

zur Website des Weltverbands Deutscher Auslandsschulen e.V.

zur Website der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA)

Entwicklung und Erprobung innovativer Konzepte für die Berufsbildung im Ausland am Beispiel der Vereinigten Arabischen Emirate

Björn Huxoll, IHK Ostwestfalen

Wie lässt sich Berufsbildung nach deutschem Vorbild in einem neuen Umfeld implementieren? Das Beispiel der VAE zeigt, wie bei der Anpassung an lokale Bedingungen innovative Lösungen entstehen – und welche Impulse daraus für die Berufsbildung in Deutschland erwachsen können.

zur Website der IHK Ostwestfalen

BIBB-Beratung für Indonesien – ein gelungenes Rezept?

Luca Jelic, BIBB und Johanna Elsässer, BIBB

Das BIBB berät in Indonesien seit 2019 im Auftrag von BMZ und GIZ die indonesische Regierung. Die Beratung erfolgte zunächst in einem Vorhaben zur Reform des Berufsbildungssystems. Seit 2025 liegt der Beratungsfokus auf Qualifizierung für die sozial-ökologische Transformation auf subnationaler Ebene. Das vom BIBB unterstützte GESIT-Vorhaben hat zum Ziel nachhaltige Beschäftigung zu fördern.

zur Website des BIBB

Ergebnisse der Comprehensive Technical Education Initiative Egypt II - eine Multi-Stakeholder Kooperation“ (in englischer Sprache)

Farida ElZakzouk, School Transformation Advisor, GIZ

Das Vorhaben trägt dazu bei, die Berufsbildungsreform weiterzuentwickeln. Es konzentriert sich auf die Schwerpunkte Finanzmanagement, Reform des Labour-Systems, Unterstützung von Berufsschulen und Digitale Lernpfade. Ziel ist es, die ägyptische Berufsbildungsreform transparenter, qualitativer, arbeitsmarktrelevanter und geschlechtergerechter umzusetzen.

zur Website der GIZ

„Das Wein-Netzwerk in ConnActions: Wenn deutsche und italienische Winzer voneinander lernen“

Oliver Strub, Winzermeister, Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz

Projektbeschreibung: Der Klimawandel stellt den Weinsektor vor große Herausforderungen. Das Netzwerk analysiert die Zukunftskompetenzen im Weinbau- und der Kellereiwirtschaft und erprobt, wie technologische Innovationen in die Ausbildung integriert werden können, um Qualität und Nachhaltigkeit der Produkte zu erhalten.

zur Website von ConnActions
 

„Youth Participation in VET in Denmark“

Mads Haugbølle Behrendsen, UN-Jugenddelegierter für berufliche Bildung; Aske Christiansen, Vorsitzender des Dänischen Verbandes der Berufsschüler (Vi er EEO | EEO)

Projektbeschreibung: §§ 34 und 37 des dänischen Berufsbildungsgesetzes sehen die Beteiligung von Schüler- und Auszubildendenvertretungen im Rat für berufliche Grundbildung und Ausbildung (Council for Basic Vocational Education and Training) und in den Branchenausschüssen vor.  

Mads Haugbølle Behrendsen, UN-Jugenddelegierter für berufliche Bildung und Aske Christiansen, Vorsitzender des Dänischen Verbandes der Berufsschüler (Vi er EEO | EEO) berichten aus der Praxis dieser Gremien.

Aske Christiansen ist Mitglied im Beirat des Projektes Strukturelle Ansätze für Demokratiebildung in den Berufsbildungssystemen im internationalen Vergleich - PartVET | BIBB.

weitere Informationen zum Projekt "Strukturelle Ansätze für Demokratiebildung in den Berufsbildungssystemen im internationalen Vergleich - PartVET"

weitere Informationen zum dänischen Berufsbildungsgesetz auf der Website retsinformation.dk 
zur Website des Dänischen Verbands der Berufsschüler (Vi er EEO | EEO)

Welche Themen bestimmen die iBBZ von morgen?

Bild von den Teilnehmenden des Panels der Akteure

Zum Abschluss der Fachkonferenz richtete sich der Blick auf die Zukunft. Unter der Überschrift „Zukunftsthemen in der internationalen Berufsbildungszusammenarbeit“ diskutierten Vertreterinnen und Vertreter zentraler Akteursgruppen ihre Erwartungen und Prioritäten.

Auf dem Panel saßen Birgit Thomann, Abteilungsleiterin Berufsbildung International im BIBB, Thomas Giessler, Referatsleiter für Berufsbildungspolitik beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), Sonja Ruetz, Projektleiterin des Skills Experts Programms in Litauen bei der Deutsch-Baltischen Handelskammer, Thorsten Giehler, Abteilungsleiter Wirtschaft, Beschäftigung, Soziale Entwicklung bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), sowie Sophia Grunert, Referatsleiterin im Bereich Berufliche Bildung beim Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). Moderiert wurde die Diskussion von Peter Rechmann, stellvertretender Leiter GOVET.

Im Mittelpunkt standen auch in dieser Runde die Gewinnung von Fachkräften und die Einwanderung in Ausbildung, die Qualität beruflicher Bildung sowie die Frage, was Deutschland von anderen Ländern lernen kann. Zugleich ging es darum, wie sich die internationale Berufsbildungszusammenarbeit angesichts veränderter politischer und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen weiterentwickeln lässt.

Thomas Giessler betonte, dass Qualitätsstandards sowohl bei der Einführung von Berufsbildungsmaßnahmen im Ausland als auch bei der Anwerbung und Beschäftigung von Auszubildenden aus dem Ausland entscheidend seien. Dabei müssten alle Sozialpartner einschließlich der Gewerkschaften einbezogen werden.

Sophia Grunert unterstützte die Forderung nach Qualitätsstandards und verwies auf den Beitrag des Handwerks zur Ausbildung von Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit: Rund 56.000 von ihnen absolvierten eine Ausbildung im Handwerk. Um die Attraktivität der beruflichen Bildung zu erhöhen, sprach sie sich zudem für eine gesetzliche Verankerung des Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR) aus.

Impressionen des Panels der Akteurinnen und Akteure

Birgit Thomann hob die Bedeutung der Anerkennung beruflicher Qualifikationen im Zusammenhang mit der Fachkräfteeinwanderung hervor und forderte, die Berufsbildung wieder stärker auf die internationale Agenda zu setzen. Dafür brauche es eine Agenda 2030 für die Berufsbildung. Internationale Zusammenarbeit eröffne zugleich die Möglichkeit, von anderen Ländern zu lernen; als Beispiele nannte sie die Zusammenarbeit des BIBB mit Österreich und der Schweiz.

Wie sich berufliche Aus- und Weiterbildung schnell und flexibel am Bedarf der Wirtschaft ausrichten kann, erläuterte Sonja Ruetz von der Deutsch-Baltischen Handelskammer in Litauen anhand der Arbeit dieser Außenhandelskammer (AHK). Dort unterstütze die AHK die Einführung von Berufen und Qualifizierungen etwa in den Bereichen Nachhaltigkeit, IT und Cybersicherheit. Litauen sei bei erneuerbaren Energien und Digitalisierung und den dazugehörigen Berufsbildern weit fortgeschritten. Ruetz verwies außerdem auf die Möglichkeit, Migrantinnen und Migranten zweisprachig und dabei auch in ihrer Muttersprache zu unterrichten.

Thorsten Giehler beschrieb Nachhaltigkeit und Klimapolitik als wichtige Zukunftsthemen, die der internationalen Berufsbildungszusammenarbeit neue Möglichkeiten eröffneten. Er machte zugleich deutlich, dass die Entwicklungszusammenarbeit national wie international unter Rechtfertigungsdruck stehe. Der wirtschaftliche Nutzen internationaler Zusammenarbeit müsse daher stärker betont werden. Wichtig sei zudem, die internationale Berufsbildungszusammenarbeit als „Team Deutschland“ kohärent zu organisieren. Ihr Erfolg setze allerdings auch voraus, dass Deutschland als Industrienation relevant bleibe.

Die Diskussion zeigte, dass sich die Akteure mit ähnlichen Themen beschäftigen. Dabei kamen zugleich Gemeinsamkeiten und unterschiedliche Akzentsetzungen zum Ausdruck. Einigkeit bestand insbesondere darin, dass sich das gemeinsame kohärente Herangehen bewährt habe und auch für die anstehenden Herausforderungen Mittel der Wahl sei. Gerade dieser Austausch zwischen Politik, Sozialpartnern, Wirtschaft, Forschung und Durchführungsorganisationen trägt zur Kohärenz bei – und macht den Mehrwert des Runden Tisches und der Fachkonferenz aus.

Bild von Ralf Hermann, GOVET, bei der Verabschiedung

Zum Abschluss fasste Dr. Ralf Hermann, Leiter GOVET, die zentralen Linien der Konferenz zusammen.Die Fachkonferenz verdeutlichte, dass internationale Berufsbildungszusammenarbeit gerade angesichts globaler Transformationen vom kontinuierlichen Austausch lebt. Unterschiedliche Schwerpunkte aus den verschiedenen Ministerien, neue wissenschaftliche Erkenntnisse und Erfahrungen aus der Umsetzung zusammenzubringen, bleibt eine zentrale Aufgabe. Fachkonferenzen und die Austauschformate des Runden Tisches sowie der Runde Tisch selbst bieten den Raum, internationale Berufsbildung gemeinsam zu gestalten.

Impressionen der Fachkonferenz

Strategie der Bundesregierung zur internationalen Berufsbildungszusammenarbeit

Mit der Strategie der Bundesregierung zur internationalen Berufsbildungszusammenarbeit wurden 2013 sowohl der Runde Tisch als Koordinierungsinstrument als auch GOVET als Zentralstelle der Bundesregierung für internationale Berufsbildungskooperation im BIBB eingerichtet. Ziel war und ist ein gemeinsames, kohärentes Vorgehen der deutschen Akteure. 2019 wurde die Strategie fortgeschrieben; seitdem haben neue politische und wirtschaftliche Entwicklungen die Rahmenbedingungen erneut verändert. So soll die internationale Berufsbildungszusammenarbeit verstärkt durch Qualifizierung im Ausland dazu beitragen, Fachkräfte für Deutschland zu gewinnen.