Griechenland
Berufsbildungszusammenarbeit mit Deutschland
Rahmen:
- Seit 2012: Gemeinsame Absichtserklärung zwischen dem Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) und dem Ministerium für Bildung, Religiöse Angelegenheiten und Sport der Hellenischen Republik um einen Beitrag zur Bekämpfung der hohen Jugendarbeitslosigkeit in Griechenland zu leisten, die Weiterentwicklung des griechischen Modells der Berufsausbildung zu fördern und voneinander zu lernen
- Deutsch-Griechische bilaterale Arbeitsgruppe
- Expertentreffen, Studienbesuche, Informationsaustausch, Sozialpartnerdialog, Pilotprojekte, Mobilität von Auszubildenden sowie Lehr- und Ausbildungspersonal
Zeitraum:
- Langjährige Zusammenarbeit in der Berufsbildung
- Die bilaterale Vereinbarung zur Kooperation bei der dualen Berufsausbildung zwischen BMBFSFJ und dem Ministerium für Bildung, Religiöse Angelegenheiten und Sport wurde am 31.12.2025 ein viertes Mal um weitere vier Jahre verlängert
Zusätzlich besteht mit Griechenland seit 2002 („Kopenhagen-Prozess“) eine enge Berufsbildungszusammenarbeit innerhalb der Europäischen Union (EU). Bei der Ausgestaltung des „Europäischen Bildungsraums“ bildet die berufliche Aus- und Weiterbildung einen Schwerpunktbereich für den Zeitraum 2021-2030.
- Am 1. Juli 2020 veröffentlichte die Europäische Kommission die Europäische Kompetenzagenda für nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit, soziale Gerechtigkeit und Resilienz.
zur Seite der Europäischen Kommission zur Europäischen Kompetenzagenda
- Im November 2020 wurden zwei europäische berufsbildungspolitische Initiativen formuliert: Der Rat der Europäischen Union nahm unter deutscher Ratspräsidentschaft die „Empfehlung zur beruflichen Aus- und Weiterbildung für nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit, soziale Gerechtigkeit und Resilienz“ an, und die für berufliche Bildung verantwortlichen Minister*innen der EU-Mitgliedsstaaten, EU-Beitrittskandidaten und EWR-Staaten veröffentlichten die „Osnabrücker Erklärung zur beruflichen Bildung als Motor für den Wiederaufbau und den gerechten Übergang zu einer digitalen und ökologischen Wirtschaft“.
zum Bericht auf der BIBB-Homepage
- Der Umsetzung des strategischen Rahmens des Europäischen Bildungsraums und der genannten Referenzdokumente dienen mehrere Ständige Arbeitsgruppen, darunter die Arbeitsgruppe „Berufliche Bildung und grüner Wandel“.
- Das EU Programm Erasmus+ für Bildung, Jugend und Sport konzentriert sich im Bereich der Berufsbildung aktuell (2021-2027) vor allem auf die Themen der Lernmobilität und Partnerschaften für europäische Berufsbildungszusammenarbeit.
zu Erasmus+ Berufsbildung der Nationalen Agentur beim BIBB
Bedarf nach Berufsbildungszusammenarbeit:
- Wirtschaft mangelt es an gut ausgebildeten Fachkräften
- Nachhaltige Reduzierung der hohen Jugendarbeitslosigkeit
- Geringes Ansehen der Berufsbildung
Bundesressorts
Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ)
Ziele der Zusammenarbeit:
- Die Weiterentwicklung des griechischen Modells der Berufsausbildung ist durch den deutschen Beitrag fachlich unterstützt, so dass es nachhaltig dazu beitragen kann Jugendliche adäquat auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten und ihre Beschäftigungsfähigkeit zu erhöhen.
- Wissenstransfer in Kernbereichen der Berufsbildung
- Stärkung von Praxisorientierung, Attraktivität und Image der Berufsbildung
- Berufsorientierung und -beratung
- Lernaufenthalte von Auszubildenden, Berufsbildungspersonal und Sozialpartnern
- pilothafte Maßnahmen im Bereich „Grüne Transformation“.
Lokale Partner:
- Griechisches Ministerium für Bildung, Religiöse Angelegenheiten und Sport (MINEDU);
- DYPA – Griechische Arbeitsagentur mit angeschlossenen Berufsschulen, dem Arbeitsministerium unterstellt;
- INE GSEE - gewerkschaftliches Forschungsinstitut: Kooperationspartner des DGB.
Grundlagen der Zusammenarbeit:
- Strategie der Bundesregierung zur internationalen Berufsbildungszusammenarbeit (2019)
- Gemeinsame bilaterale Absichtserklärung
- Bilaterale Arbeitsgruppe (seit 2013)
- Förderrichtlinie des BMBF zur „Internationalisierung der Berufsbildung“, administriert durch DLR-Projektträger
Auftrag an folgende Durchführungsorganisationen (Vorhaben siehe unten):
- Forschungsinstitut für innovative Arbeitsgestaltung und Prävention e.V. (FIAP)
Durchführungsorganisationen und ressortnahe Institutionen
Forschungsinstitut für innovative Arbeitsgestaltung und Prävention e.V. (FIAP)
Vorhaben: Future4VET: Competences for innovative VET
- Im Auftrag des BMBF
- In Zusammenarbeit mit der Deutsch-Griechischen Industrie- und Handelskammer sowie der Organisation Arbeit und Leben aus Hamburg
- Laufzeit: 2022-2025
Ziele der Zusammenarbeit:
- Stärken des Greening und die Digitalisierung in der Berufsbildung Griechenlands
- Neue Ansätze für die sozialpartnerschaftliche Zusammenarbeit in der Berufsbildung entwickeln
Lokale Partner:
- IEK und PEPAL Schulen in Griechenland
zum Projekt in der GOVET-Projektdatenbank
zum Projekt bei dem FIAP
Deutsch-Griechische Versammlung (DGV)
Ziel der Zusammenarbeit:
- Im Mittelpunkt der Deutsch-Griechischen Versammlung (DGV) steht die konkrete Zusammenarbeit zwischen deutschen und griechischen Kommunen, Regionen und Bürgern. Die Bewältigung der sich unmittelbar aus der kommunalen Praxis aufdrängenden Probleme steht im Vordergrund.
Wirtschaft
- United Nations Human Development Index (HDI): 2023: Der Human Development Index von Griechenland beträgt 0,908. Das entspricht dem Rang 34 von 193 Ländern (Quelle: UNDP)
- Sustainable Development Index: 2025: Die Sustainable Development Score von Griechenland beträgt: 79,12. Das entspricht dem Rang 27 von 167 Ländern (Quelle: Sustainable Development Solutions Network)
- BIP pro Kopf in US $ (GDP per capita in current US $): 2020: 17.890; 2021: 20.650; 2022: 20.890; 2023: 23.340; 2024: 24.630 (Quelle: Worldbank, 2026)
- Veränderung des realen BIP zum Vorjahr (GDP growth annual): 2020: -9 %; 2021: 9,98 %; 2022: 6,86 %; 2023: 2,43 %; 2024: 2,11 % (Quelle: Worldbank, 2026)
- Inflationsrate (GDP deflator annual): -0,36 %; 2021: 1,39 %; 2022: 6,29 %; 2023: 6,27 %; 2024: 3,21 % (Quelle: Worldbank)
- Hauptbranchen (Anteil an nominaler Bruttowertschöpfung): 2023: Handel/Gaststätten/Hotels: 18,7 %; Bergbau/Industrie: 15,4 %; Transport/Logistik/Kommunikation: 10,0 %; Land-/Forst-/Fischereiwirtschaft: 3,8 %; Bau: 2,1 %; Sonstige: 50,0 % (Quelle: GTAI)
- Top 5 Importländer (Anteil an den Warenimporten): 2024: Deutschland 10,6 %; China 8,4 %; Italien 8,4 %; Irak 6,1 %; Niederlande 5,6 % (Quelle: GTAI)
- Top 5 Exportländer (Anteil an den Warenexporten): 2024: Italien 10,5 %; Deutschland 7 %; Zypern 6,3 %; Bulgarien 5,7 %; USA 4,9 % (Quelle: GTAI)
Gesellschaft
- Einwohnerzahl: 2024: 10,4 Mio. (Quelle: Worldbank, 2026)
- Bevölkerungswachstum: 2020: -0,21 %; 2021: -1,22 %; 2022: -1,26 %; 2023: -0,28 %; 2024: -0,02 % (Quelle: Worldbank, 2026)
- Arbeitslosenquote: 2020: 15,9 %; 2021: 14,7 %; 2022: 12,4 %; 2023: 11 %; 2024: 10 % (Quelle: Ilostat, 2026)
- Jugendarbeitslosenquote: 2020: 33,9 %; 2021: 35,5 %; 2022: 31,4 %; 2023: 26,6 %; 2024: 22,4 % (Quelle: Ilostat, 2026)
- Jugendliche, die sich nicht in nicht in Arbeit, Schul- oder Berufsausbildung befinden (NEET): 2020: 13,5 %; 2021: 12 %; 2022: 11,4 %; 2023: 12,5 %; 2024: 10,4 % (Quelle: Ilostat, 2026)
Staat
Zuständig für Berufsbildung sind:
- Ministerium für Bildung, Religiöse Angelegenheiten und Sport
- Arbeitsministerium
Berufsbildungssystem
- Das Berufsbildungssystem Griechenlands ist traditionell schulisch organisiert und wird zentralstaatlich gesteuert.
- Voraussetzung für den Zugang zu einer beruflichen Erstausbildung ist ein erfolgreicher Abschluss der 9-jährigen Pflichtschule, die sich in die sechsjährige Primarschule und das dreijährige (griechische) Gymnasium unterteilt.
- In der sich anschließenden Sekundarstufe II (Altersgruppe 15-18) können die Jugendlichen zwischen dem Weg eines allgemeinbildenden Lyzeums (entspricht der deutschen gymnasialen Oberstufe mit Abitur) und zwei Angeboten der beruflichen Bildung wählen.
Ein Ausbildungsweg ist der des dreijährigen beruflichen Lyzeums (EPAL), das zur fachgebundenen Fachhochschulreife führt und zum Studium in Fachhochschulen berechtigt.
- Die Berufsausbildung in den EPAL-Lyzeen erstreckt sich über drei Jahre und findet sowohl in Tageslyzeen als auch in Abendlyzeen statt. Mit dem Abschluss des EPAL wird das EQF-Niveau 4 erreicht.
- Seit der Reform von 2016 teilen sich die drei Jahre auf in ein erstes allgemeinbildendes Jahr, ein zweites Jahr in welchem einer von neun verschiedenen Sektoren gewählt werden kann und dem dritten Lehrjahr, in welchem eine Spezialisierung stattfindet.
- EPAL Absolvent*innen können an speziellen Prüfungen teilnehmen, welche sie berechtigen, Programme der höheren Berufsbildung zu besuchen.
- Nach drei Jahren schulischer Bildung besteht nach der Reform des Bildungsgesetzes von 2016 die Möglichkeit, ein 9-monatiges freiwilliges Praxisjahr im Betrieb zu absolvieren. Mit dessen Abschluss wird das EQF-Niveau 5 erreicht.
- Des Weiteren können EPAL-Absolventinnen und –Absolventen einen höheren Berufsbildungsabschluss an einem Berufsbildungszentrum einer Universität absolvieren. Diese Möglichkeit wurde in 2018/2019 gesetzlich geschaffen. Der Abschluss ist ebenfalls auf EQF-Niveau 5 angesiedelt.
Alternativ zum EPAL können Jugendliche nach dem Abschluss des ersten Jahres einer EPAL-Schule oder einer allgemeinbildenden Schule die praxisnähere zweijährige Berufsschule (EPAS) besuchen.
- Die EPAS sind der Arbeitsagentur OAED unterstellt, die wiederum unter dem Arbeitsministerium agiert.
- Mit dem Abschluss der EPAS wird das EQF-Niveau 4 erreicht. Daran kann ein Weiterbildungsabschluss an den Berufsausbildungsinstituten (IEK) angeschlossen werden, der zweieinhalb Jahre dauert. Der dort erworbene Abschluss ist auf EQF-Niveau 5 angesiedelt.
Neben den dargestellten höheren Berufsbildungsabschlüssen gibt es spezielle Institute beispielsweise für Theater- oder Tanzschulen, die den fachlichen Ministerien unterstehen.
- Die angebotenen Programme haben keine Standarddauer, sondern variieren zeitlich. Sie führen im Regelfall ebenfalls zu EQF-Niveau 5.
Herausforderungen für die Berufsbildung
- Berufsbildungssystem an die Bedarfe des Arbeitsmarktes anzupassen
- Ausbildungsbereitschaft bei Unternehmen zu fördern (trotz schwierigem Wirtschaftsklima)
- Image der Berufsbildung zu verbessern
- Inhaltliche Ausgestaltung der Praxisphasen
- Geschultes Ausbildungspersonal zu erhalten
- Lernen in Berufsschulen und Unternehmen aufeinander abzustimmen
Quellen:
- UNECO-UNEVOC. TVET Country Profiles. Greece
- CEDEFOP. VET in Europe database
Projekte in der Berufsbildungszusammenarbeit
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