Zusammenarbeit in der Berufsbildung auf Augenhöhe: Deutschland und Usbekistan unterzeichnen gemeinsame Absichtserklärung
16.06.2026
Deutschland und Usbekistan wollen ihre Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung weiter ausbauen. Mit der Unterzeichnung einer Joint Declaration of Intent (JDoI) am 11. Juni in Berlin haben das usbekische Ministerium für Hochschulbildung, Wissenschaft und Innovation (MHESI) und das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) dafür einen gemeinsamen Rahmen geschaffen.
Die Vereinbarung setzt ein deutliches Signal für die Bedeutung beruflicher Bildung als Motor für wirtschaftliche Entwicklung, Beschäftigung und gesellschaftlichen Fortschritt. In den kommenden Jahren wollen beide Länder ihre Zusammenarbeit in zentralen Handlungsfeldern vertiefen. Geplant sind unter anderem der Austausch zu Berufsbildungsforschung, die Weiterentwicklung dualer Ausbildungsansätze, die Stärkung von Governance-Strukturen sowie neue Partnerschaften zwischen Berufsbildungsinstitutionen in Deutschland und Usbekistan. Eine gemeinsame Arbeitsgruppe soll den fachlichen Austausch begleiten und neue Kooperationsvorhaben auf den Weg bringen.
Reformen mit hoher Dynamik
Die Unterzeichnung fällt in eine Phase tiefgreifender Veränderungen im usbekischen Berufsbildungssystem. Mit rund 36 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern ist Usbekistan das bevölkerungsreichste Land Zentralasiens. Jedes Jahr wächst die Bevölkerung um etwa eine Million Menschen, rund 700.000 junge Menschen treten neu in den Arbeitsmarkt ein.
Die Qualifizierung dieser jungen Generation gehört zu den wichtigsten Zukunftsaufgaben des Landes. Entsprechend verfolgt die Regierung seit mehreren Jahren das Ziel, die Berufsbildung stärker an den Anforderungen des Arbeitsmarktes auszurichten. Bereits 2021 wurden die rechtlichen Voraussetzungen für duale Ausbildungsmodelle geschaffen. Nun soll ihr Anteil weiter steigen. Gleichzeitig stehen Themen wie Digitalisierung, „Grünes Wirtschaften“ im Sinne der Nachhaltigkeit und die Qualifizierung des Berufsbildungspersonals im Fokus der Reformen.
Auf bestehender Zusammenarbeit aufbauen
Die neue Absichtserklärung knüpft an eine langjährige Zusammenarbeit deutscher und usbekischer Partner an. Ein wichtiger Baustein ist das von der GIZ umgesetzte Vorhaben „TexVET“, das die Modernisierung der beruflichen Bildung in Usbekistan unterstützt.
Auf der Abschlusskonferenz der ersten Projektphase im Oktober 2025 in Samarkand kamen Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Berufsbildungspraxis und internationaler Zusammenarbeit zusammen, um erreichte Fortschritte zu diskutieren und Perspektiven für die weitere Entwicklung des Systems zu erarbeiten. Die nun unterzeichnete Vereinbarung schafft eine Grundlage, um an diese Erfahrungen anzuknüpfen und neue Vorhaben gemeinsam zu entwickeln.
Berufsbildung als Brücke zwischen Deutschland und Zentralasien
Die Vereinbarung steht zugleich im Kontext der wachsenden Beziehungen Deutschlands zu den Staaten Zentralasiens. Die Region gewinnt wirtschaftlich und geopolitisch zunehmend an Bedeutung. Deutschland begleitet Reform- und Modernisierungsprozesse vor Ort durch Kooperationen in Bildung, Wissenschaft und Forschung.
Berufliche Bildung spielt dabei eine zentrale Rolle. Sie schafft Qualifizierungsmöglichkeiten für junge Menschen, stärkt die Fachkräftebasis und unterstützt wirtschaftliche Transformationsprozesse. Mit der Joint Declaration of Intent schaffen Deutschland und Usbekistan nun einen institutionellen Rahmen, um diesen Austausch weiter zu vertiefen. Die Vereinbarung gilt zunächst für vier Jahre und soll die Grundlage für gemeinsame Projekte, Pilotinitiativen, institutionelle Partnerschaften und einen kontinuierlichen bildungspolitischen Dialog bilden.