Online Austausch: Youth Apprenticeship in den USA – Berufsausbildung beginnt schon in der High School
Wie lassen sich schulisches Lernen und bezahlte betriebliche Praxis verbinden? Wie gewinnt man Jugendliche für eine Ausbildung? Was kann Deutschland von den USA lernen? Diese Fragen stehen im Fokus des Online-Austauschs mit GOVET, New America und dem Wisconsin DWD.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht der jeweilige Blick über den eigenen Tellerrand: Wie gelingt es, Jugendliche frühzeitig für berufliches Lernen zu gewinnen? Wie arbeiten Schulen, Unternehmen und weitere Akteure zusammen? Und welche Impulse kann Youth Apprenticeship für die Diskussion über gelingende Übergänge von der Schule in Ausbildung in Deutschland geben? Die Online-Veranstaltung findet am 14. Oktober 2026 von 16:00 bis 17:15 Uhr (MESZ) via WebEx statt.
Nach einer Begrüßung durch Prof. Dr. Hubert Ertl, Forschungsdirektor des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), stellen Expertinnen und Experten aus den USA das Konzept des Youth Apprenticeship und seine praktische Umsetzung im Bundesstaat Wisconsin vor.
Das Webinar nimmt insbesondere folgende Aspekte in den Blick:
- Zusammenarbeit High School, Unternehmen und beruflicher Unterricht
- Information der Jugendliche für eine Teilnahme und Einbindung der Betriebe
- Koordination der verschiedenen Lernorte, Aufbau regionaler Netzwerke
- Organisation der betrieblichen Lernphasen und die Anerkennung der Lernergebnisse
- Weiterführung der Youth Apprenticeship nach dem High-School-Abschluss
- Reduziert der frühe Einstieg in berufliches Lernen Übergangsverluste und spätere Ausbildungsabbrüche
- Was kann die deutsche Berufsbildung von diesem Modell lernen, welche früheren Ansätze könnten zeitgemäß aufgesetzt werden?
Die Veranstaltung richtet sich an die deutsche Fachöffentlichkeit aus Berufsbildung, Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik, Wissenschaft und Praxis sowie an Kammern, Sozialpartner und weitere an internationalen Berufsbildungssystemen Interessierte.
Ausbildung beginnt schon in der High School
Das Youth-Apprenticeship-Programm in Wisconsin richtet sich an Schülerinnen und Schüler in den letzten Jahren der High School. Die Jugendlichen werden von teilnehmenden Unternehmen beschäftigt und bezahlt. Betriebliche Praxis wird mit fachlich einschlägigem Unterricht verbunden, während die Jugendlichen gleichzeitig ihren High-School-Abschluss weiterverfolgen.
So entsteht eine enge Verbindung zwischen Schule, betrieblichem Lernen und weiteren beruflichen Bildungswegen. Nach dem High-School-Abschluss kann die begonnene berufliche Entwicklung fortgesetzt werden, beispielsweise über eine Registered Apprenticeship.
Was können wir von den USA lernen?
Für die deutsche Berufsbildung ist besonders interessant, wie Jugendliche frühzeitig für berufliches Lernen erreicht und gewonnen werden können. Wenn Schülerinnen und Schüler schon während der Schulzeit konkrete betriebliche Erfahrungen sammeln, Berufsbilder kennenlernen und Verantwortung übernehmen, kann Berufsorientierung verbindlicher werden und der Übergang in Ausbildung besser gelingen.
Diese Frage ist auch vor dem Hintergrund der hohen Zahl junger Erwachsener ohne Berufsabschluss in Deutschland relevant. Das Webinar greift deshalb auf, welche Impulse Youth Apprenticeship dafür geben kann, Übergänge von Schule in Ausbildung zu stabilisieren, Ausbildungsabbrüche zu reduzieren und Wege zu einer anerkannten beruflichen Qualifikation zu eröffnen.
Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, das amerikanische Modell auf Deutschland zu übertragen. Im Mittelpunkt steht vielmehr das gegenseitige Lernen aus unterschiedlichen Berufsbildungssystemen: Welche Elemente funktionieren in Wisconsin? Welche institutionellen Voraussetzungen braucht es? Und welche Ansätze könnten auch für die deutsche Diskussion interessant sein?
Kein „BerufsAbitur auf Amerikanisch“
Youth Apprenticeship entspricht nicht dem deutschen BerufsAbitur. Im Zentrum steht keine Doppelqualifizierung aus Berufsabschluss und Hochschulzugangsberechtigung. Vielmehr wird bezahltes und strukturiertes betriebliches Lernen bereits in die reguläre High-School-Zeit integriert.
Die Jugendlichen bleiben Schülerinnen und Schüler und arbeiten gleichzeitig in einem Unternehmen. Arbeitgeber, Schulen und regionale Koordinierungsstellen stimmen den Ausbildungs- und Beschäftigungsrahmen miteinander ab.