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Standards machen Berufsbildung

Von der Berufsbeschreibung zum Ausbildungsplan: BIBB/GOVET veranstalteten in Costa Rica zwei Workshops mit Teilnehmenden des dortigen Bildungsministeriums und des nationalen Weiterbildungsinstitutes zur Entwicklung und Umsetzung von Ausbildungsordnungen im costa-ricanischen Ausbildungssystem.

Standards machen Berufsbildung

Für moderne und qualitative Berufsbildung bilden die Ausbildungsordnungen den rechtlichen und fachlichen Rahmen. Doch was, wenn dieser Rahmen für Schulen und Betriebe nicht passt und die Erfahrungen zu einer praktikablen Lernortkooperation fehlen? Oder wenn die Bedarfe der Industrie anders aussehen, als in den Ausbildungsordnungen beschrieben? Und wie können gute Ausbildungsordnungen auch zu einer besseren Berufsbildung beitragen?

Diesen und weiteren Fragen der konkreten Entwicklung von Ausbildungsordnungen gingen Expert*innen des costa-ricanischen Bildungsministeriums (Ministerio de Educación Pública, MEP) und des nationalen Weiterbildungsinstitutes (Instituto Nacional de Aprendizaje, INA) mit Dr. Gert Zinke und Julia Olesen vom BIBB nach. Dr. Gert Zinke veranschaulichte die Entwicklung von Lernfeldern, Kompetenzen und Berufsprofilen anhand der elektrotechnischen Berufe. Mit beiden Organisationen wurden zunächst Prozessfragen besprochen. Dabei ging es insbesondere darum, wer den Impuls für neue Ausbildungsordnungen gibt. Begleitet wurde die Aktivität auch durch Oliver Herrlen, einen von Inter-amerikanischen Entwicklungsbank geförderten Experten, der Impulse zur praktischen Implementierung dualer Ausbildungsprogramme einbrachte.

Workshop in Costa Rica: Ausbildungsordnungen

In Costa Rica war das staatliche Bildungssystem in der Vergangenheit eher angebotsorientiert. Die Einbindung der Privatwirtschaft gelingt bis jetzt noch nicht in allen Wirtschaftszweigen gleich gut. So bot der Workshop, an dem auch Betriebsvertreter*innen teilnahmen, auch die Gelegenheit des Erfahrungs- und Wissensaustausches unter den costa-ricanischen Teilnehmenden. Konsens war, dass die Einbindung von Sozialpartnern bzw. Experten und Expertinnen aus der Praxis unabdingbar ist, um moderne und qualitätsgesicherte Ausbildungsordnungen zu erstellen und zu implementieren. Diskutiert wurde auch die Frage, inwieweit Innovationen und bestimmte Technologien berücksichtigt werden können. Dr. Gert Zinke erläuterte die Vorgehensweise des BIBB, in den Sitzungen mit Expert*innen zur Erstellung oder Modernisierung von Ausbildungsordnungen, möglichst ein Gleichgewicht aus großen und kleinen Unternehmen zu berücksichtigen, ebenso eine regionale Verteilung. Somit kann erreicht werden, dass ein Ausbildungsstandard von unterschiedlichen Firmen abgedeckt werden kann.

Ausgetauscht wurde sich auf Grundlage von Ausbildungsordnungen der elektrotechnischen Berufe in Costa Rica und der deutschen Ordnungsmittel zum Beruf Mechatroniker/in. Insbesondere die betrieblichen Ausbildungspläne waren in Costa Rica bisher sehr detailliert formuliert. Im Gegenzug versucht man in Deutschland größere Themenblöcke und Kompetenzfelder zu beschreiben, immer mit dem Ziel die erforderliche Berufskompetenz abzudecken und die weitere Operationalisierung in die Verantwortung der Lehrenden zu geben. Die Teilnehmenden diskutierten mit dem BIBB-Expert*innen-Team über die Vor- und Nachteile von generalistischen und spezifischen Berufsprofilen. Außerdem teilte und diskutierte Dr. Gert Zinke seine Erfahrungskriterien zur Definition eines Ausbildungsberufes und den dahinter liegenden Kompetenzen mit den Gruppen. Ein weiterer Punkt, den die Teilnehmenden künftig stärker berücksichtigt werden wollen, ist die technologieoffene Formulierung von Ausbildungsordnungen. So werden den Unternehmen keine Einschränkungen bzgl. der eingesetzten Technik oder Maschinen vorgegeben. Dies erhöht zuletzt auch die Flexibilität der Ausbildung im Betrieb. Im Austausch mit den Teilnehmenden wurde deutlich, dass eine Erhöhung der Flexibilität in der dualen Ausbildung dringend erforderlich ist. Manche Unternehmen haben in der Vergangenheit Schwierigkeiten bei der Umsetzung der detaillierten Ausbildungspläne gemeldet. Anhand von Arbeitsaufträgen diskutierten die Teilnehmenden in den Workshops ihr eigenes Selbstverständnis und ihre Rollen im Berufsbildungssystem.

In fünf Workshoptagen gab es so viel Diskussionsstoff, stets einen fundierten fachlichen Austausch und eine Menge Inspirationen für die Teilnehmenden.

Hintergrund

Seit 2016 berät GOVET im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung Forschung die costa-ricanischen Partner bei der Einführung der dualen Berufsbildung. Seit 2022 gibt es dort die ersten dualen Ausbildungsprogramme.