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Ghana beyond aid

Wie kann die Berufsbildung in Ghana weiter gestärkt werden und die Entwicklungsagenda des Landes unterstützen? Was kann auch Deutschland von Ghana lernen? Und wie betten sich bildungspolitische Fragen in die globalen Diskurse zu Wirtschaftswachstum und Nachhaltigkeit ein? Diese und weitere Fragen standen im Mittelpunkt der Beteiligung einer Vertreterin aus Ghana bei den Aktivitäten von GOVET bei der re:publica und didacta.

Ghana beyond aid

Die afrikanische Realität ist vielfältiger, innovativer und fortschrittlicher, als viele Menschen erwarten. Mit Initiativen wie "Ghana beyond aid" zeigt der afrikanische Kontinent, dass er den Sprung nach vorn wagen will. Inwiefern sind die allgemeine und die technische Bildung sowie die Berufsausbildung Teil dieses Fortschritts? Und welche Rolle spielen Innovationen aus Afrika für Afrika?

GOVET arbeitet im Auftrag des BMBF schon seit 2019 eng mit dem ghanaischen Bildungsministerium und der Commission for TVET zusammen. Teil dieses Engagements ist neben der fachlichen Beratung auch der Austausch unter Expertinnen und Experten. Vor diesem Hintergrund hat GOVET die Unternehmerin Constance Elizabeth Swaniker nach Deutschland eingeladen, um bei der re:publica und didacta vor Fachpublikum Einblicke in die ghanaische Bildungslandschaft und die Potentiale des afrikanischen Kontinents zu geben.

Constance Swaniker hat im Jahr 2016 das Design & Technology Institute (DTI) gegründet. Das DTI hat sich innerhalb kürzester Zeit einen Namen als private Einrichtung für TVET (Technical and Vocational Education and Training) gemacht und bietet industrielle Ausbildung für Jugendliche an. Aktuell durchlaufen 130 Schüler*innen die Programme im Bereich Schweißen und Fertigung, Design Innovation und Unternehmertum.

Sehr eindrücklich berichtete Fr. Swaniker auf der re:publica über ihren persönlichen Werdegang als Bildhauerin und Absolventin des Studiums der bildenden Kunst, einer Schreinerei-Ausbildung neben dem Studium und Gründung von Accents and Arts, einem der führenden Metallverarbeitungsbetriebe und kreativen Designunternehmen in Ghana vor über 20 Jahren. Der Umschwung auf den Bildungssektor sei durch den eigenen Bedarf an Fachkräften entstanden. Es habe wenig gut ausgebildete Schweißer*innen gegeben und insbesondere die Anstellung von Frauen sei in dem männerdominierten Berufsfeld schwierig gewesen. Heute zählt das DTI eine Beteiligung von Frauen und Mädchen in den technischen Programmen in Höhe von 30 %. Doch auch in anderen Bereichen versucht DTI neue Wege zu gehen: So sind bei der Erstellung der Ausbildungsprogramme und -pläne Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Bereichen Bildung, Psychologie und Anthropologie beteiligt, um die Ausbildung auf den lokalen Kontext anzupassen.

Für eine nachhaltige Stärkung des ghanaischen Berufsbildungssystems müssen kulturelle und historische Aspekte berücksichtigt werden.

Constance Swaniker, Gründerin DTI

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Constance Swaniker auf der didacta 2022

Auf der Bildungsmesse didacta in Köln diskutierte Frau Swaniker mit Aditya Gupta, CEO der India Didactics Association, zu den Entwicklungen und Bedarfen der Wachstumsregionen Afrika und Asien.

Die Berufsbildungssysteme der beiden Länder finden sich in einer ähnlichen Position wieder. Nachdem Berufsausbildung lange Zeit wenig beachtet und als zweitbeste Lösung hinter tertiärer Bildung angesehen wurde, wollen Indien und Ghana mit aktuellen Berufsbildungsreformen der jeweils sehr jungen Bevölkerung bessere Möglichkeiten in der globalen Wirtschaft ermöglichen und den Fachkräftemangel auch international entgegenwirken.

Die Modernisierung der Berufsbildung sei der Schlüssel dazu, dass Länder wie Ghana und Indien ihre große Zahl an jungen Einwohner*innen als Chance in einer globalisierenden Welt nutzen können, so Swaniker und Gupta. Ohne die Möglichkeit einer qualitativ hochwertigen beruflichen Ausbildung, könnten sonst hohe Jugendarbeitslosigkeitszahlen zu einem wesentlichen Problem werden.

Ghana und Afrika als Ganzes bergen großes Potential für die Zukunft der weltweiten Produktion, zeigte sich Frau Swaniker überzeugt. Die Bevölkerung sei jung und es gebe einen großen Drang zur Weiterentwicklung, starke Resilienz gegenüber Krisen und das Potential Stufen der Entwicklung zu überspringen.

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Arno Liersch, Lehrer der Hans-Böckler-Schule; Julia Olesen, GOVET; Constance Swaniker (v.l.)

Während ihres Aufenthaltes in Deutschland informierte sich Constance Swaniker bei deutschen Akteuren der Berufsbildungszusammenarbeit. Im Bereich der Förderung von Innovation und Unternehmertum erlaubten der Start-up Hub Motionlab. Berlin und die TU Berlin interessante Einblicke. Bei Besuchen im ABB Ausbildungszentrums Berlin und in der Hans-Böckler-Schule OSZE wurde über die Stärkung von Frauen und Mädchen in technischen und männerdominierten Bereichen diskutiert. Ein Feld bei dem Deutschland noch viel von anderen Ländern lernen kann. Der Erfahrungsaustausch zur Nachfrageorientierung der Berufsbildung und Ausrichtung an Industriebedarfen zeigte deutlich, dass das deutsche duale System zwar sehr gut funktioniert, in seiner Agilität und Innovationskraft aber noch von anderen Ländern wie Ghana lernen kann.

Um ein tragfähiges Berufsbildungssystem aufzubauen haben wir nicht so eine komfortable Situation wie Deutschland: wir können uns nicht Jahrhunderte Zeit nehmen, um das zu erreichen, was Deutschland hat. Unsere Chance ist von den Erfahrungen anderer Länder zu lernen und direkt auf globalem Spitzenniveau einzusteigen. Diese Ambition verfolgen wir mit DTI.

Constance Swaniker, Gründerin DTI