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Italien

Italien

Berufsbildungszusammenarbeit mit Deutschland

Rahmen:
Absichtserklärung über die Zusammenarbeit in der Berufsbildung und der Arbeitsmarktpolitik zwischen dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), dem italienischen Unterrichts- und Forschungsministerium (Ministero dell'Istruzione, dell'Università e della Ricerca, MIUR) und dem italienischen Arbeitsministerium (Ministero del Lavoro e delle Politiche Sociali, MLPS) vom 12. November 2012, verlängert am 3. Mai 2016 sowie am 16. Dezember 2019.

Zeitraum: 2012 - 2019

Bedarf nach Berufsbildungszusammenarbeit

Italien hat die Möglichkeit ausgedehnter Betriebspraktika während der Schulzeit per Gesetz eingeführt. Damit ergeben sich zahlreiche Anknüpfungspunkte zur Zusammenarbeit mit Deutschland, etwa bei der Ausgestaltung und Steuerung dualen Lernens und seiner Popularisierung, der Planung von Karrierewegen, der Qualifizierung des Berufsbildungspersonals oder der Entwicklung von Standards.

Bundesressorts

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Ziel der Zusammenarbeit: Zusammenarbeit in der Berufsbildung, u. a. auf den Gebieten Implementierung dualen Lernens, Curricula und Standards, Zugang zu Ausbildung und Übergänge im Bildungssystem, EQF, Berufsbildungspersonal, Digitalisierung, Sozialpartnerdialog.  

Lokale Partner:

  • Italienisches Unterrichtsministerium (Ministero dell'Istruzione, MI)
  • Italienisches Arbeitsministerium (Ministero del Lavoro e delle Politiche Sociali, MLPS)
  • Nationale Agentur für aktive Arbeitsmarktpolitiken (Agenzia Nazionale per le Politiche Attive del Lavoro, ANPAL).

Grundlagen der Zusammenarbeit:

Absichtserklärung über die Zusammenarbeit in der Berufsbildung und der Arbeitsmarktpolitik von BMBF, BMAS, MIUR und MLPS

Durchführungsorganisationen und ressortnahe Institutionen

Bundesinstitut für Berufsbildung

Förderung der Berufsbildungsforschung durch wechselseitige Unterstützung, Kooperation und Informationsaustausch, gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsprojekte (u.a. im Rahmen von EU-Programmen), Austausch von Gastwissenschaftlern/Gastwissenschaftlerinnen; Implementierung des Projektes FITT im Rahmen von Erasmus+.

Lokaler Partner:

Institut für die Analyse öffentlicher Politik (Istituto per l’Analisi delle Politiche Pubbliche, INAPP) des Arbeitsministeriums (Ministero del Lavoro e delle Politiche Sociali, MLPS) Zeitraum: 2016 – 2019

Grundlagen der Zusammenarbeit: Kooperationsvereinbarung vom 4. Mai 1990

Deutsch-Italienische Handelskammer (AHK) (Camera di Commercio Italo-Germanica)

Vermarktung des „Deutschen dualen Modells“ in Italien (u.a. Angebote dualer Bildungsgänge nach deutschem Vorbild, Beratung zu und Ausarbeitung von Ausbildungsplänen, Durchführung und Zertifizierung von Prüfungen nach deutschem Vorbild)
Qualifizierung von Tutoren (Projekt „Qualit“, BMBF)
Entwicklung von Ausbildungsmodulen zu Industrie 4.0 (Projekt „DigITALIA“, BMBF)

Lokale Partner:

Deutsche Unternehmen und Zulieferer in Italien, italienische Unternehmen, Regionalregierungen

Zeitraum: kontinuierlich, Qualit = 2018-2020, DigITALIA = 2018-2020


Goethe Institut Italien - Institut für die deutsche Sprache und Kultur in Italien

Verbindung der Vermittlung der deutschen Sprache und Kultur mit Berufsbildungsthemen

„Unternehmen Deutsch“: Berufsbezogener Sprachunterricht sowie Entwicklung und Vermarktung einer Geschäftsidee auf Deutsch (unterstützt durch BMBF/GOVET)
„Alternanza Day“: Entwicklung und Durchführung eines Berufsorientierungstages für Schüler italienischer Sekundarschulen bei Unternehmen ähnlich dem deutschen „Girl’s/Boy’s Day“ (gefördert von  BMBF/GOVET)
Go4STEM: Parcours zur Berufsorientierung in den MINT-Fächern
„Startnet - Netzwerk Übergang Schule Beruf “: Netzwerkprojekt zu regionalem Bildungsmanagement in den Regionen Apulien und Basilikata (gefördert von der Stiftung Mercator)
„Matchingbörse Berufsschulen“: Unterstützung bei der Kontaktanbahnung italienischer Sekundarschulen mit berufsbildenden Fächern mit deutschen Berufsschulen

Lokaler Partner:

Italienisches Unterrichts- und Forschungsministerium (Ministero dell'Istruzione, dell'Università e della Ricerca, MIUR), Region Apulien

Zeitraum: kontinuierlich


Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB) und bfw – Unternehmen für Bildung

Kooperation mit italienischen Gewerkschaften im Rahmen des Projektes Unions4VET, um diese auf die Aufgaben im Rahmen der Implementierung und Förderung eines dualen Systems vorzubereiten

Lokale Partner:

Gewerkschaften CGIL, CISL, UIL in den Regionen Piemont, Toskana, Venetien, nationale Gewerkschaften

Zeitraum: 2015 - 2019

 

Wirtschaft

  • Wirtschaftswachstum: BIP 2016: 1,1%; 2017: 1,7%; 2018: 0,9%; 2019 (geschätzt) -0,1%; 2020 (geschätzt): 0,7%  
  • Hauptbranchen: verarbeitende Industrie 29,4%, wissenschaftliche und technische Dienste 23,1%, Finanzdienstleistungen 11,5%, Handel, Reparaturen 11,3%, Bau 1%, sonstige 23,7%
  • Inflationsrate: 2018: 1,2%; 2019 (geschätzt): 0,9%; 2020 (geschätzt): 1,1%
  • Deutschland ist Hauptlieferland und Hauptabnehmer, Handelsvolumen 2018 (geschätzt) 130,2 Mrd.


Gesellschaft

  • Alphabetisierungsrate bei 99,2%
  • 60,5 Mio. Einwohner, Bevölkerungswachstum 0,2%
  • Altersstruktur: 0-14 Jahre: 13,6%; 15-24 Jahre: 9,6%; 25-54 Jahre: 41,8%; 55-64 Jahre: 13,3% 65 und drüber Jahre: 21,7%
  • Arbeitslosenquote: 2018: 10,6%; 2019 (geschätzt): 10,9%; 2020 (geschätzt): 11%


Entwicklungen im Berufsbildungssystem

  • Seit 2000 Entwicklung von Berufsbildungsformaten im post-sekundären Bereich (istruzione e formazione tecnica superiore, IFTS und istituti tecnici superiori, ITS) und Erweiterung der Curricula der allgemeinbildenden Schulen mit berufsbildenden Fächern (istituti professionali, istituti tecnici), die entsprechend der lokalen Arbeitsmärkte von Schulen und Regionen ausgestaltet werden sollen.
  • Seit 2003 Möglichkeit, den Unterricht durch umfangreichere Betriebspraktika zu flankieren (alternanza scuola lavoro), seit 2015 für alle Schüler der staatlichen Schulen (istituti professionali, istituti tecnici, licei) verpflichtend innerhalb der letzten drei Schuljahre vor dem Abitur, seit 2019 mit reduzierter Stundenzahl.
  • Alle drei Schultypen liegen in der Zuständigkeit des Bildungsministeriums (Ministero dell’Istruzione, dell’Università e della Ricerca, MIUR) und schließen nach 13 Schuljahren und einer zentralen schriftlichen Abschlussprüfung mit einer allgemeinen Hochschulreife ab. Es findet keine Berufsprüfung statt.

 

Wenn in Italien vom dualen System („sistema duale“) die Rede ist, hört man in der Regel zwei Begriffe: „alternanza scuola lavoro“ oder „apprendistato“.

Alternanza scuola lavoro
Hinter dem Begriff steht die Idee von einer Alternierung, also einem Wechsel der zwei Lernorte Schule und Arbeitswelt. Seit dem Schuljahr 2015/2016 müssen die italienischen Sekundarschulen ihren Schülerinnen und Schülern in den letzten drei Schuljahren ermöglichen, die Arbeitswelt vor Ort kennenzulernen – an den staatlichen Sekundarschulen mit berufsbildenden Fächern (istituti tecnici, istituti professionali) mind. 400 Stunden, an den Gymnasien (licei) mind. 200 Stunden (legge 107/ 2015).
Je nach Bildungseinrichtung und -modell stecken hinter der „alternanza scuola lavoro“ in den meisten Fällen Berufsorientierungsprojekte (z.B. Betriebspraktika, Betriebsbesichtigungen, Unternehmenssimulationen o.ä.). In bislang wenigen Ausnahmefällen erfolgt in diesem Modell aber auch eine gezielte berufliche Qualifizierung, bei der die jungen Menschen etwa die Hälfte ihrer Ausbildungszeit im Betrieb verbringen. Verbreitet ist das berufsqualifizierende Modell vorwiegend in der regionalen Berufsbildung, wo auch ein berufsqualifizierender Abschluss erworben wird.

Apprendistato
Wenn man in Italien vom „apprendistato“ spricht, ist damit meist das bereits jahrzehntealte, sog. „apprendistato professionalizzante“ (auch „apprendistato II° (secondo) livello“) gemeint. Hierbei handelt es sich um einen Einstiegsarbeitsvertrag, der über die branchenspezifischen Tarifverträge geregelt ist (keine formale Berufsausbildung, kein Erwerb eines Berufsabschlusses, keine Ausbildungsstandards).
Der Erwerb von Abschlüssen des formalen Bildungssystems ist nur in dem „apprendistato I° (primo) livello“ (berufsqualifizierende Abschlüsse, EQF 3-5) oder dem „apprendistato III° (terzo) livello“ möglich (akademische oder post-sekundäre Abschlüsse, EQF 5-8) möglich. Die Qualifizierung erfolgt auf der Grundlage eines zwischen Bildungseinrichtung und Ausbildungsbetrieb abgestimmten individuellen Ausbildungsplans und wird tariflich vergütet. Die Verträge dauern mindestens 6 Monate und längstes so lange, wie die reguläre Ausbildungsdauer des äquivalenten Bildungsgangs (Vollzeit), dessen Abschluss erworben werden soll (Dlgs. n. 81/2015).

Wer ist für die Umsetzung der italienischen dualen Modelle zuständig?
Verantwortlich für die Umsetzung der neuen dualen Berufsbildungsmodelle sind in den Schulen und Bildungseinrichtungen die sogenannten schulischen Tutoren („tutor formativo/scolastico/interno“), die für die Koordinierung der beiden Lernorte und den Bildungsplan zuständig sind.
In den Betrieben sind die betrieblichen Tutoren („tutor aziendale/esterno“) verantwortlich für die – je nach Modell – Berufsorientierung, Betriebsbesichtigung bzw. Qualifizierung der jungen Menschen.

Welches Modell ist dem dualen System in Deutschland am ähnlichsten?
Dem deutschen dualen Ausbildungsmodell am ähnlichsten ist das „apprendistato I° (primo) livello“, wie es in Italien vorwiegend im regionalen Berufsbildungssystem praktiziert wird.
Das „apprendistato III° (terzo) livello“ steht konzeptionell dem deutschen Modell der Berufsakademien bzw. dualer Hochschulen und Unternehmens-Promotionen nahe.

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