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COVID-19 und Berufsbildung: GOVET im Austausch mit Costa Rica und Südafrika

Wie wirkt sich COVID-19 auf den Arbeitsmarkt und die berufliche Bildung aus? Was bedeutet die Pandemie für Jugendliche? Welche Lessons Learned ergeben sich aus dem digitalen Lehren und Lernen? Darüber diskutierte GOVET mit Partner*innen aus Südafrika und Costa Rica in zwei bilateralen Workshops.

COVID-19 und Berufsbildung: GOVET im Austausch mit Costa Rica und Südafrika

In zwei virtuellen Workshops sprach GOVET mit Expertinnen und Experten aus Costa Rica und Südafrika über COVID-19 und berufliche Bildung. Im Fokus standen die Lösungsansätze, mit denen die Länder den Herausforderungen in der Pandemie begegnen. Die Workshops sind Teil einer Reihe von Dialogveranstaltungen mit Kooperationspartnern des BMBF, deren Ziel es ist, Erfahrungen, Erkenntnisse und Innovationen im Umgang mit der Coronakrise miteinander zu teilen. 

Am 3. März tauschten sich Vertreterinnen und Vertreter des costa-ricanischen Ministeriums für öffentliche Bildung (MEP), des deutschen Bildungsministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) im Rahmen eines dreistündigen virtuellen Workshops aus.

Die costa-ricanischen Referent*innen fassten die Auswirkungen der Pandemie auf die berufliche Bildung zusammen: Schulen und Bildungseinrichtungen waren lange geschlossen, und in hohem Tempo wurden digitale Plattformen im gesamten Bildungssystem eingeführt. Lehrende erhielten kurzfristig Unterstützung bei der Anpassung ihres Unterrichts. Die schnelle und flexible Umstellung auf digitale Lernformate betrachteten die costa-ricanischen Expert*innen als Erfolgsfaktor, der bewirkte, dass die meisten Schüler*innen, Student*innen und Auszubildenden ihre Bildungsprogramme lückenlos fortsetzen konnten und der Anteil derer, die Schwierigkeiten haben als gering betrachtet wird. So wurde auch eine Reihe von Alternativen für praktische Unterweisung in Form von Hybridmodellen entwickelt.

Die Umsetzungsgeschwindigkeit und die verschiedenen Modelle, die auch zur Realisierung von Praxisanteilen in der technischen Ausbildung entwickelt wurden, beeindruckten die deutschen Teilnehmer*innen.

Neben diesem groß angelegten Digitalisierungsvorhaben der gesamten Bildungslandschaft wurde im Workshop die Bildungsstrategie STEAM vorgestellt, die zum Ziel hat,  das Bildungsangebot moderner, nachhaltiger und gerechter zu gestalten. So stehen Fragen der Gender-Gerechtigkeit, sogenannte Life und Soft Skills oder kollaboratives Lernen und Arbeiten im Mittelpunkt der Initiative, die bereits tausende Schüler*innen erreicht hat.

Digitale und hybride Lernmodelle bringen Herausforderungen mit sich

Rund eine Woche später, am 11. März, folgte der bilaterale Workshop mit Südafrika. An dem dreistündigen Workshop nahmen Vertreter*innen des südafrikanischen Ministeriums für Hochschul- und Berufsbildung der Republik Südafrika (DHET) und führende Forschungseinrichtungen des Landes, des deutschen Bildungsministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) sowie weitere interessierte Akteure teil.

Die südafrikanischen Referent*innen verwiesen auf die vielfältigen Herausforderungen, die eine Umstellung auf digitale oder hybride Lernmodelle mit sich bringen. Sie berichteten, dass das DHET in Reaktion auf die geschlossenen Bildungseinrichtungen im Jahr 2020 ein weitreichendes Online-Angebot für die Universitäten und die berufsbildenden TVET Colleges aufbaute. Während manche Universitäten dies kurzfristig realisieren konnten, standen die TVET Institute vor großen Herausforderungen. Hinderlich seien nach wie vor die fehlende Verfügbarkeit von Endgeräten für Schüler*innen und die Internetverbindung, sowie der Zugang zu Strom. Die Expert*innen gehen davon aus, dass sich die Abstände zwischen leistungsstarken und schwächeren Schüler*innen und Auszubildenden vergrößern werden.

Intensiv wurde auch über die sich verändernden Anforderungen an Ausbilder*innen und Lehrer*innen gesprochen, die zusätzlich zu ihrer bisherigen fachlichen und didaktischen Kompetenz auch ihre medienpädagogischen Kompetenzen in kurzer Zeit erweitern oder sogar erst aufbauen müssen. Eine Open Learning Plattform steht den Berufsschullehrer*innen in Südafrika zur Verfügung. Jedoch werden in dieser Situation die bestehenden Defizite verstärkt sichtbar, so etwa bei den mangelhaften didaktischen Kompetenzen des Lehrpersonals sowie in der fehlenden digitalen Infrastruktur. Es fehlt an adäquater technischer Ausstattung und online-basierten Unterrichtsmaterialien.

Auch in Deutschland mussten zu Beginn der Pandemie Schulen, aber auch Betriebe und Berufsschulen in kürzester Zeit auf digitale Lernformate umstellen. Endgeräte und Lernplattformen fehlten oder waren nicht überall verfügbar. Dies konnte in den Monaten seit Beginn der Pandemie enorm verbessert werden, doch noch immer kämpfen Schulen mit der Umsetzung von digitalen Lernkonzepten und der Durchführung eines hybriden Lernbetriebs.

Deutsche Expert*innen aus dem BMBF und dem BIBB berichteten, dass die Corona-Krise es vielen Ausbildungsbetrieben erschwere, weiterhin junge Menschen als Fachkräfte von morgen auszubilden. Doch Fachkräfte würden dringend benötigt. Sie verwiesen auf das deutsche Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“, das ausbildende klein- und mittelständische Betriebe in der Corona-Krise unterstützt.

Die deutschen Referent*innen präsentierten zudem bestehende Methoden der Berufsberatung und erläuterten, wie diese in den Monaten der Pandemie angepasst wurden. Denn in Zeiten von Kontaktbeschränkungen ist es noch schwerer, arbeitslose Jugendliche zu aktivieren und den Übergang von der Schule in Ausbildung oder Beruf zu sichern. Zudem wurde das MIKA-Projekt vorgestellt, das die digitalen Kompetenzen von Trainern erhöhen soll. In dem vom BMBF geförderten Projekt werden mit sechs Praxispartnern aus Handwerkskammern, Industrie- und Handelskammern und einem Bildungsträger Seminarkonzepte zur Medien- und IT-Kompetenz von Ausbildungspersonal entwickelt und erprobt.

Auch die Projektverantwortlichen des vom BMBF geförderten Projekts TRAINME zur Stärkung des Lehrpersonals in südafrikanischen TVET Colleges stellten gemeinsam mit den südafrikanischen Partnern ihre Erfahrungen während der Pandemie vor. Sie setzten auf digitale Workshops und Formate, um geplante train-the-trainer Module im Bereich mechanical and electrical engineering umzusetzen. Die Schwierigkeiten sind ähnlich denen, die Vertreter*innen des DHET und der Forschung in Südafrika aufgezeigt haben: Unzuverlässige Verfügbarkeit von Strom, Internet und Endgeräten setzten den Online-Angeboten Grenzen. Ebenso musste ein gemeinsamer Ansatz für die Zusammenarbeit auf Distanz entwickelt werden. Jedoch wurden auch positive Aspekte herausgestellt: So wurden durch die neue Situation ein neues Teamgefühl geschaffen und alle Beteiligten zu neuen Lern- und Denkansätzen geführt, was sich auch in der Lehrpraxis positiv bemerkbar machen wird.

Insgesamt wurden mit beiden Workshops 100 Expert*innen vernetzt und in den Austausch gebracht.

Die Referent*innen aus Costa Rica und Deutschland im Überblick

Pablo Masis Boniche, MEP, und Dr. Tobias Maier, BIBB, referierten zu den Auswirkungen von COVID-19 auf den Arbeitsmarkt und die berufliche Bildung in Costa Rica und Deutschland.

Ileana Arce, MEP, und Dr. Verónica Fernández, BIBB, berichteten von den Auswirkungen der Pandemie auf die berufliche Orientierung in Costa Rica und Deutschland. Ileana Arce stellte in diesem Kontext die Bildungsstrategie STEAM vor.

Rosa Chacón Coto, MEP, und Michael Härtel, BIBB, stellten digitale Lernkonzepte vor. Micheal Härtel präsentierte das Projekt MIKA (Medien- und IT-Kompetenz für Ausbildungspersonal).

Die Referent*innen aus Südafrika und Deutschland im Überblick

Prof. Stephanie Allais, Wits REAL Center, berichtete von den Auswirkungen von COVID-19 auf die berufliche Bildung in Südafrika und stellte die mittelfristige Wiederaufbaustrategie vor. Dr. Ralf Hermann, GOVET, ging auf die politischen Maßnahmen in Deutschland ein und Dr. Tobias Maier, BIBB, referierte zu den Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und die berufliche Bildung.

Prof. Joy Papier, UWC, sprach über Lehren und Lernen auf Distanz in den südafrikanischen Colleges. Trudi van Wyk, DHET, stellte Ansätze des Open Learnings in Südafrika vor und diskutierte diese mit Prof. Michael Gessler, ITB, Universität Bremen.

Michael Härtel, BIBB, präsentierte das Projekt MIKA (Medien- und IT-Kompetenz für Ausbildungspersonal) und trat zu diesem Thema in den Dialog mit Dr. Ronel Blom, Regent Business School, Südafrika.

Carina Adam, ÜBZ, und Sello Sethusha, DHET, präsentierten das BMBF-geförderte Projekt TRAINME, das die Aus- und Weiterbildung von südafrikanischen Berufsschullehrkräften fokussiert.

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