Deutsch-italienische Berufsbildungskooperation: Dual macht Schule
Die deutsch-italienische Berufsbildungskooperation hat 2025 eine Reihe von Aktivitäten umgesetzt: von Studienbesuchen und wissenschaftlichem Fachaustausch bis hin zu neuen Formaten zur Förderung dualer Ausbildung in Italien.
Was 2012 als bilateraler Dialog begann, ist heute eine lebendige Kooperation mit konkreten Wirkungen auf beiden Seiten der Alpen. Gemeinsam mit dem italienischen Ministerium für Schulbildung und Leistungsförderung (MIM) sowie dem Ministerium für Arbeit und Sozialpolitik (MLPS) gestaltet Deutschland aktiv die Zukunft der Berufsbildung in Italien mit. GOVET übernimmt dabei im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) die fachliche Planung, Beratung und Steuerung aller Kooperationsaktivitäten.
Brücke zwischen zwei Ländern: Der Studienbesuch im Dezember
Eines der Highlights des Jahres war ein fünftägiger Studienbesuch einer zwölfköpfigen Delegation in Köln und Bonn im Dezember 2025. Die Delegation bestand aus Vertreterinnen und Vertreter der italienischen Partnerministerien MIM und MLPS, des Forschungsinstituts INAPP (Istituto nazionale per l’analisi delle politiche pubbliche) sowie einer Vertreterin der Region Toskana, die im Rahmen des Vorsitzes der Staat-Regionen-Konferenz teilnahm. Das von GOVET organisierte Programm führte die Delegation zu zentralen Akteuren der dualen Aus- und Weiterbildung. Besonders beeindruckt hat die italienischen Partner das starke und institutionalisierte Ausbildungsengagement von Unternehmen. Dass Handwerksunternehmen sich beispielsweise in Innungen zusammenschließen, um ihre Interessen zu vertreten und zudem gemeinschaftliche Aufgaben etwa im Bereich der Berufsbildung zu übernehmen, ist etwas, das es so in Italien bislang nicht gibt. Den inhaltlichen Höhepunkt bildete ein wissenschaftlicher Fachaustausch im Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) zu aktuellen Entwicklungen der Berufsbildung. Dieser strukturierte Dialog wurde im Juni in Rom beim BIBB-Partnerinstitut, dem Nationalen Institut für die Analyse öffentlicher Politik (INAPP) begonnen und soll fortgesetzt werden.
Unternehmen als Botschafter der dualen Ausbildung
Ein neues Format setzte 2025 gezielt auf die Kraft der Praxis: Unter dem Dach des etablierten Unternehmenspreises „Premio di Eccellenza Duale" rief GOVET gemeinsam mit der AHK Italien eine Exzellenzgemeinschaft von dual ausbildenden Unternehmen in Italien ins Leben: die „Community eccellenze duali". In sechs moderierten Online-Workshops tauschten die Finalistinnen und Finalisten ihre Erfahrungen aus, diskutierten Herausforderungen und entwickelten gemeinsam Ansätze zur Verbesserung von Ausbildungsqualität und unternehmerischem Engagement. Die Unternehmen werden so zu Promotoren und Multiplikatoren dualer Ausbildungsmodelle in ihrem Land.
Die Juryarbeit für den Preis selbst wurde 2025 erneut intensiv fortgeführt. In mehreren Auswahlrunden wählte eine Jury aus Vertreterinnen und Vertretern der italienischen Sozialpartner, Ministerien und nachgeordneten Behörden Unternehmen aus, die vorbildliche duale Ausbildungsmodelle umsetzen. Die feierliche Preisverleihung Ende Dezember in der Residenz des deutschen Botschafters in Rom setzte einen würdigen Schlusspunkt. Der Preis in der Kategorie Ausbildungsunternehmen ging in diesem Jahr an das nachhaltige Bau- und Bauberatungsunternehmen Soseteg.
Die Kooperation mit Italien hat sich über die Jahre kontinuierlich weiterentwickelt. Ein wichtiges Ergebnis ist, dass italienische Unternehmen die duale Ausbildung zunehmend selbst aktiv fördern und von deren Wirkungen überzeugt sind. Wir wollen helfen, dass diese „Enthusiasten“ sichtbarer werden und auch anderen Unternehmen beweisen, welches Potential in der dualen Ausbildung steckt.
Sara-Julia Zakhia, GOVET-Projektleiterin in der bilateralen Kooperation mit Italien
ConnActions: Netzwerke mit wachsender Wirkung
Auch die Netzwerkinitiative „ConnActions" gewann 2025 weiter an Fahrt. GOVET begleitete und beriet die Initiative kontinuierlich. 2025 fanden mehrere Sitzungen des deutsch-italienischen Begleitgremiums statt, außerdem Treffen und Studienfahrten der sechs Netzwerke sowie Treffen im Rahmen des Projektmonitorings des italienischen Forschungs-Partners INAPP. Aus Austausch wurde Aktion: So entwickelte etwa das Netzwerk „Digitalisierung im Kunsthandwerk" zahlreiche digitale und analoge Produkte mithilfe verschiedener KI-Tools und bereitet nun deren Implementierung vor – ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie Vernetzung Innovationen hervorbringt.
Gemeinsam mit dem BMBFSFJ hat GOVET auch 2025 wieder vorbildliche Projekte von Schülerinnen und Schülern für den vom Goethe-Institut ausgelobten Preis „Unternehmen Deutsch“ im Rahmen der jährlichen Juryarbeit ausgewählt. Daneben wurden Gespräche mit dem Goethe-Institut Rom zur Schaffung von Synergien in der Arbeit mit den italienischen Partnern durchgeführt.
Bereits seit 2012 arbeiten das deutsche Bildungsministerium und das Ministerium für Schulbildung und Leistungsförderung (Ministero dell'Istruzione e del Merito, MIM) in der Berufsbildung zusammen und seit 2017 auch gemeinsam mit den Akteuren des Ministeriums für Arbeit und Sozialpolitik (Ministero del Lavoro e delle Politiche Sociali, MLPS). Beide Ministerien sind in Italien in der Berufsbildung mit unterschiedlichen Schwerpunkten tätig. GOVET ist im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) für die fachliche Planung, Beratung und Steuerung der Kooperationsaktivitäten mit Italien zuständig. Die gemeinsame Absichtserklärung richtet den Fokus auf zentrale Themen der Berufsbildungspolitik: die Transformation der Arbeitswelt, die Professionalisierung des ausbildenden Personals sowie die Reduzierung von Fachkräftemangel und Jugendarbeitslosigkeit durch duale Berufsbildung.