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Gemeinsame Standards für eine moderne Berufsbildung in Südafrika

Deutschland und Südafrika vertiefen ihre Zusammenarbeit in der Berufsbildung weiter. Im Mittelpunkt standen 2025 die Lehrpersonal- und Curriculumentwicklung, der Aufbau breiter Stakeholder-Netzwerke und die Verabschiedung eines gemeinsamen Kompetenzprofils für TVET-Lehrende.

Eine Fotomontage der deutschen Flagge und der südafrikanischen Flagge

Ein entscheidender Faktor für die Qualität beruflicher Bildung ist die Kompetenz derer, die Wissen vermitteln. Daher bildete die Lehrpersonal- und Standardentwicklung (Lecturer and Curricular Development) auch im Jahr 2025 einen wichtigen fachlichen Fokus der bilateralen Zusammenarbeit. Als bewährtes Instrument in der Umsetzung der Kooperationsaktivitäten agierte hierbei erneut die „Bilaterale Expertengruppe“, die aus Michael Härtel (BIBB), Prof. Michael Gessler (Institut Technik und Bildung, Universität Bremen) und Prof. Waldemar Bauer (Universität Erfurt) besteht. GOVET koordiniert die Expertengruppe auf der deutschen Seite.

Erster Höhepunkt des Jahres war die Studienreise einer südafrikanischen Delegation nach Bremen und Hamburg vom 30. März bis 5. April 2025. Ein besonderer Erfolg: Erstmals gelang es, alle relevanten Stakeholder-Gruppen für eine praxisorientierte und arbeitsbasierte Ausbildung gemeinsam an einen Tisch zu bringen: Vertreterinnen und Vertreter des zuständigen Ministeriums (Department of Higher Education and Training, DHET), der Standardisierungsbehörde QCTO, der TVET-Colleges sowie lehrerbildender Hochschulinstitute, sektoraler Ausbildungsbehörden (SETAs) und der Berufsbildungsforschung.

Das gastgebende Institut Technik und Bildung der Universität Bremen (ITB) präsentierte in einem Workshop verschiedene Karrierewege und Kompetenzprofile für Berufsschullehrende. In praktischen Einheiten wurden die Prinzipien offener, arbeitsprozessbasierter Lerninhalte erfahrbar gemacht. Ein weiterer Workshop widmete sich dem zukunftsweisenden Thema KI-Kompetenzen in der beruflichen Bildung. Besuche an Lernorten der dualen Ausbildung machten das System vor Ort erlebbar.

In Hamburg gab das Hamburger Institut für Berufsbildung (HIBB) Einblicke in die Steuerung der Berufsbildung und die Arbeit der Jugendberufsagentur. Den praktischen Bezug zur Transformation der Arbeitswelt stellten zwei Berufsschulen her, die ihre aktuelle Lehr- und Lernpraxis präsentierten. Abgerundet wurde das Programm durch die Vorstellung des innovativen trialen Kooperationsmodells der Beruflichen Hochschule Hamburg durch Prof. Henning Klaffke.

Das DHET bekräftigte zum Abschluss die Absicht, die Zusammenarbeit mit allen beteiligten Stakeholdern intensiv fortzusetzen. Im zweiten und dritten Quartal organisierte GOVET mehrere Online-Austausche, um die vereinbarten Kooperationsthemen weiterzuentwickeln.

Bei einem Workshop in Irene bei Johannesburg im November 2025 erreichte die Kooperation wichtige Meilensteine. Zentrales Ergebnis des Workshops war die Verabschiedung eines „TVET Educator Profile“. Es beschreibt Kompetenzfelder für das Lehrpersonal an berufsbildenden Einrichtungen, bietet lehrerbildenden Institutionen und Studierenden eine Orientierung zu praxisbezogenen Qualitätsanforderungen und soll die gesellschaftliche Anerkennung des Berufsbildungspersonals stärken. Das Kompetenzprofil wurde von südafrikanischen Expertinnen und Experten entwickelt; im Dialog mit den deutschen Experten wurden vor allem die technischen Anforderungen im Wandel der Arbeitswelt stärker akzentuiert. Diskutiert wurden zudem Umsetzungsprobleme bei der Einführung neuer Curricula – insbesondere des „Advanced Diploma in Technical Vocational Teaching“ – an lehrerbildenden Hochschulinstituten sowie mögliche Unterstützungsangebote durch die Bilaterale Expertengruppe. Im abschließenden Block des Workshops wurden gemeinsam die Kerninhalte eines Weiterbildungsangebots für lehrerbildende Einrichtungen und ihr Personal erarbeitet, das aus Online- und Präsenzbausteinen bestehen und im Folgejahr umgesetzt werden soll.

Eine im Vorfeld geschlossene Kooperationsvereinbarung zwischen dem BIBB und der Tshwane University of Technology schuf optimale Bedingungen für den fachlichen Dialog, insbesondere indem sie die Bereitstellung sensibler Daten und Informationen ermöglichte und regelte.

Die Kooperation mit Südafrika zeigt, wie wirkungsvoll bilaterale Zusammenarbeit in der Berufsbildung sein kann, wenn alle relevanten Akteure eingebunden sind. Es schafft eine gemeinsame Grundlage für die Qualitätsentwicklung in der Lehrerbildung und gibt den beteiligten Einrichtungen und ihrem Personal eine klare Orientierung.

Dr. Ralf Hermann, Leiter GOVET

Mit dem verabschiedeten TVET Educator Profile, den vereinbarten Weiterbildungsangeboten für lehrerbildende Einrichtungen und dem gewachsenen Netzwerk aller relevanten Stakeholder sind die Weichen für die Fortsetzung der bilateralen Berufsbildungskooperation im Jahr 2026 gestellt.

Die deutsch-südafrikanische Binationale Kommission (BNK) definiert und beschließt Themen von hoher Priorität für die Beziehungen beider Länder. Die gemeinsame Arbeitsgruppe zu Arbeit, Sozialem und Beruflicher Bildung, an der sich mehrere Bundesressorts beteiligen, legt Schwerpunkte der Kooperation in diesen Gebieten fest. Vereinbart wurde bereits 2020, bilaterale Expertengruppen zu bilden und Schwerpunkte der Zusammenarbeit auf Lehrpersonal- und Standardentwicklung (Lecturer and Curricular Development) zu legen. GOVET gestaltet die Berufsbildungskooperation des deutschen Bildungsministeriums (BMBFSFJ) maßgeblich mit und koordiniert die Expertengruppe auf deutscher Seite. Ende Juni 2023 wurde die gemeinsame Absichtserklärung des deutschen Bildungsministeriums mit dem südafrikanischen Ausbildungsministerium verlängert. Sie bildet die Grundlage für die Zusammenarbeit von GOVET mit den südafrikanischen Partnern.