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Qualität und Kompetenz: Berufsbildungskooperation mit Costa Rica

Neue Weiterbildungsangebote für Ausbildungspersonal sowie der enge Austausch mit nationalen und internationalen Partnern stärkten die Kooperation im Jahr 2025 so nachhaltig, dass GOVET eine Auszeichnung für das langfristige Engagement in der nationalen Berufsbildungskommission erhielt.

In Costa Rica wurde die duale Berufsausbildung vor knapp vier Jahren als Bildungsoption für junge Menschen etabliert. Anfang 2022 starteten die ersten dualen Programme unter der Verantwortung des Bildungsministeriums (Ministerio de Educación Pública, MEP) und des nationalen Weiterbildungsinstituts (Instituto Nacional de Aprendizaje, INA). Seither verzeichnet das System ein kontinuierliches Wachstum sowohl bei den Ausbildungsgängen als auch bei den Auszubildendenzahlen. Hochqualifizierte Ausbilderinnen und Ausbilder gelten dabei als Schlüssel für eine erfolgreiche Umsetzung. Aus diesem Grund konzentrierte sich die fachliche Beratung im Jahr 2025 auf die Qualifizierung der betrieblichen Ausbildungspersonen (Personas Mentoras). GOVET konzipierte hierzu gemeinsam mit der Arbeitsgruppe der nationalen Berufsbildungskommission (Equipo Técnico) eine Weiterbildungsreihe, die unter Mitwirkung von Expertinnen und Experten des BIBB realisiert wurde.

Den Auftakt bildete ein virtuelles Kontaktseminar im September 2025 zum Rollenverständnis von Ausbildungspersonal im dualen System. Dabei standen Erwartungen, Verantwortlichkeiten und Herausforderungen im Mittelpunkt. Im Oktober folgten zwei zweitägige Präsenzworkshops in San José, die praxisnah zentrale Aspekte einer modernen, handlungsorientierten Ausbildung aufgriffen: darunter Kommunikation, Konfliktlösung, Lernortkooperation sowie individuelle Unterstützungsangebote für Auszubildende.

Die Workshops wurden von Isabelle Schlender (BIBB, Arbeitsbereich 2.5 Berufsbildungspersonal) und Julia Olesen (GOVET) gestaltet, moderiert und durch Fachimpulse angereichert. In der Umsetzung wurde der Schwerpunkt auf interaktive Gruppenarbeiten gelegt. Am ersten Workshop nahmen Ausbilderinnen und Ausbilder verschiedener Fachrichtungen teil. An den zwei weiteren Workshoptagen beteiligten sich zudem nationale Referentinnen und Referenten des Bildungsministeriums (MEP), des nationalen Weiterbildungsinstituts INA sowie Direktorinnen und Direktoren der Colegios Técnicos Profesionales (CTPs). Insgesamt nahmen rund 50 Personen an dem Weiterbildungsformat teil.

Die Qualifizierung des betrieblichen Ausbildungspersonals ist ein zentraler Hebel für die Qualität der dualen Berufsbildung. Die Weiterbildungsreihe hat Raum für Austausch geschaffen und praxisnahe Impulse vermittelt, um Ausbilderinnen und Ausbilder in ihrer Rolle zu stärken und auf aktuelle Herausforderungen vorzubereiten.

Julia Olesen, GOVET-Projektleiterin in der bilateralen Kooperation mit Costa Rica

Ergänzend fand im November ein Webinar zu digitalen Tools und dem Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) im Ausbildungsalltag statt. Dabei zeigte sich ein heterogenes Bild: Während einige Ausbilderinnen und Ausbilder KI bereits regelmäßig zur Erstellung von Lernmaterialien nutzen, begegnen andere den Anwendungen noch zurückhaltend.

Für die Weiterbildung wurde ein von Leando erstellter Leitfaden, der sich an ausbildende Fachkräfte richtet, für Costa Rica adaptiert und neu gelayoutet. Leando ist die zentrale Anlaufstelle für Ausbildungs- und Prüfungspersonal im BIBB und bietet Informationen, Austauschmöglichkeiten und Materialien zur Gestaltung des Ausbildungsalltags und des Prüfungswesens.

Langjähriges Engagement und vertrauensvolle Zusammenarbeit gewürdigt

Die Berufsbildungskooperation zwischen Deutschland und Costa Rica erreichte im Jahr 2025 einen besonderen Höhepunkt. Im Rahmen der vierten Sitzung der Berufsbildungskommission auf Leitungsebene wurde GOVET und speziell die Länderverantwortliche Julia Olesen für das langjährige Engagement ausgezeichnet. Die Vize-Bildungsministerin Sofía Ramírez würdigte dabei die kontinuierliche und fachlich fundierte Unterstützung bei der Etablierung der beruflichen Bildung in Costa Rica.

Besonders hervorgehoben wurde der Beitrag von GOVET zur erfolgreichen Arbeit der Berufsbildungskommission sowie der begleitenden Arbeitsgruppe (Equipo Técnico), an deren wöchentlichen Sitzungen GOVET in beratender Rolle teilnimmt. Die Anerkennung unterstrich nicht nur die hohe Wertschätzung der bilateralen Zusammenarbeit, sondern auch die Bedeutung der dualen Berufsbildung als zentrales Reformvorhaben im costa-ricanischen Bildungssystem.

Engagement der deutschen Botschaft und gelebter Austausch

Auch im Jahr 2025 blieb der enge Austausch mit der deutschen Botschaft ein wichtiger Bestandteil der Kooperation. Auf Initiative des deutschen Botschafters Daniel Kriener fand ein Treffen in der Residenz statt, an dem Vertreterinnen und Vertreter aus Bildung, Wirtschaft und Sozialpartnerschaft beider Länder teilnahmen. Ziel war es, gemeinsame Perspektiven der beruflichen Bildung weiterzuentwickeln.

Ein besonderes Highlight war die kulinarische Gestaltung des Treffens: Auszubildende und Ausbilder des Hotels WestIn Reserva Conchal bereiteten ein Gericht zu, das Elemente der costa-ricanischen und deutschen Küche verband. Fachlich begleitet wurde die Aktivität von Enrique Mejías Céspedes, Ausbilder am nationalen Weiterbildungsinstitut INA, der bereits mehrfach in Deutschland an Austauschformaten teilgenommen hatte. Im Juli 2025 vertiefte er diesen Austausch erneut bei einem mehrwöchigen Aufenthalt in Deutschland, unter anderem im Dialog mit Köchen aus der Region Frankfurt.

Unterstützung der Kommissionsarbeit und institutionelle Weiterentwicklung

Im Rahmen eines Aufenthalts vor Ort unterstützte GOVET die Arbeitsgruppe der Berufsbildungskommission erneut bei verschiedenen Veranstaltungen. Dazu zählten unter anderem ein Workshop mit dem Nationalen Rat für Inklusion (Consejo Nacional de Personas con Discapacidad, CONAPDIS) sowie ein Austausch mit dem Verband der pharmazeutischen Unternehmen Costa Ricas.

Auf Anfrage des Leiters der Abteilung für technische Ausbildung im costa-ricanischen Bildungsministerium moderierte GOVET zudem einen Workshop zur Entwicklung eines „Service Portfolios“ der Abteilung. Im Workshop wurden die Leistungen der Abteilung für die Berufsschulen strukturiert und ihre Zuständigkeiten klar von Aufgaben auf lokaler und regionaler Ebene abgegrenzt. Ziel war es, Transparenz zu schaffen und Verantwortlichkeiten zu klären, um Doppelstrukturen zu vermeiden.

Inklusion und internationale Vernetzung

Im Jahr 2025 wurden die Themen Inklusion und Diversität auch gemeinsam mit den costa-ricanischen Partnerinnen und Partnern diskutiert. Im August organisierte GOVET gemeinsam mit dem INA und der Arbeitsgruppe der CAP (Comisión Asesora y Promotora, CAP) ein Webinar zur Einbindung von Menschen mit Behinderung in die berufliche Bildung. Eine Vertreterin der BIBB-Stabstelle „Berufliche Bildung behinderter Menschen“ stellte dabei zentrale Ansätze und Erfolgsfaktoren vor. Deutlich wurde, dass es in Costa Rica zwar zahlreiche Initiativen gibt, die berufliche Bildung für diese Zielgruppe jedoch bislang nur vereinzelt umgesetzt wird. Vor diesem Hintergrund kündigte die Arbeitsgruppe (Equipo Técnico) an, dem Thema künftig eine höhere Priorität einzuräumen.

Anlässlich des Deutschen Diversity-Tags im Mai 2025 widmete sich Projektleiterin Julia Olesen in einem Video-Interview mit dem GOVET-Redaktionsteam dem Stellenwert von Vielfalt im costa-ricanischen Ausbildungssystem. Sie erläuterte die institutionellen Grundlagen für Diversität und Inklusion, die Integration von Menschen mit Beeinträchtigungen, die Förderung von Frauen in technischen Berufen sowie die Einbindung indigener Gruppen und anderer vulnerabler Personengruppen.

Regelmäßiger Austausch mit deutschen Akteuren

Gemeinsam mit nationalen und internationalen Partnern erstellte GOVET eine Publikation zum Thema Datenreporting in der Berufsbildung, die Mitte April 2026 erschien. Die Veröffentlichung vereint vielfältige Perspektiven von über 70 Autorinnen und Autoren aus 15 Ländern in 33 Artikeln. An der Publikation haben sich auch Autorinnen und Autoren aus Costa Rica mit zwei Beiträgen beteiligt.

Die Grundlage der Zusammenarbeit zwischen dem deutschen Bildungsministerium (BMBFSFJ) und dem costa-ricanischen Bildungsministerium (MEP) bildet die 2016 geschlossene Joint Declaration of Intent, die in der ersten Jahreshälfte 2026 um weitere viere Jahre verlängert wird.

Zu Anfang der Kooperation vor zehn Jahren stand vor allem die Beratung bei der Entwicklung eines Gesetzes für die duale Berufsbildung in Costa Rica im Vordergrund sowie die umfängliche Einbeziehung aller Wirtschafts- und Sozialpartner. Mittlerweile bilden konkrete Fragen der Umsetzung und Implementierung den Schwerpunkt der Beratungsarbeit.

GOVET begleitet die Arbeitsgruppe (Equipo Técnico), die Teil der 2020 eingesetzten Berufsbildungskommission (Comisión Asesora y Promotora, CAP) ist. Die CAP untersteht dem costa-ricanischen Bildungsministeriums (MEP) und bindet alle relevanten Ministerien sowie Wirtschafts- und Sozialpartner ein.