Information, Abstimmung und Strategie: Der Runde Tisch für internationale Berufsbildungszusammenarbeit
Für die Geschäftsstelle des Runden Tisches bei GOVET standen im Jahr 2025 strategische Abstimmungen und der Wissensaustausch im Zentrum der Arbeit.
Der Runde Tisch (RT) ist ein zentrales Instrument der Bundesregierung, um die internationale Berufsbildungszusammenarbeit (iBBZ) kohärent zu gestalten. Basierend auf den Kabinettsbeschlüssen von 2013 und 2019 bringt er Bundesministerien, Bundesländer, Sozialpartner, Kammern und Durchführungsorganisationen zusammen, um gemeinsam relevante Themen der iBBZ zu besprechen und sich über Aktivitäten abzustimmen. Die Geschäftsstelle des Runden Tisches ist Teil von GOVET und unterstützt den Informationsfluss zwischen den unterschiedlichen Akteuren.
Mit unseren Fachseminaren bringen wir Erkenntnisse und Best Practice-Beispiele aus dem nationalen Berufsbildungssystem in die internationale Arbeit ein und bauen eine Brücke zwischen Theorie und Praxis.
Peter Rechmann, Leiter der Geschäftsstelle Runder Tisch
Auch im Jahr 2025 nutzte die Geschäftsstelle erfolgreich die verschiedenen Formate, die zur Information und Vernetzung sowie Zusammenarbeit und Abstimmung der Akteure entwickelt wurden. Dies waren neben den regulären Sitzungen des Runden Tisches insbesondere Fachseminare, Fachdialoge, ein Bund-Länder-Dialog sowie ein Fachtag für die Bildungswirtschaft. Außerdem unterstützte die Geschäftsstelle 2025 die Bundesländer Niedersachsen und Schleswig-Holstein sowie das Auswärtige Amt bzw. seine Vertretungen, insbesondere in Armenien, Botswana und Kosovo.
Austausch und Abstimmung: die Sitzungen des Runden Tischs
Für die Treffen des Runden Tischs sind unterschiedliche Konstellationen vorgesehen. Im Jahr 2025 tagten der Runde Tisch der Ressorts (RT-R) und der Runde Tisch der Akteure (RT-A) regelmäßig.
Im Mittelpunkt der RT-R-Sitzungen standen zunächst die Schwerpunkte der einzelnen Bundesministerien in der iBBZ in der neuen Legislaturperiode. Im weiteren Jahresverlauf war das Thema Qualifizierung im Ausland im Rahmen der Fachkräftegewinnung im Fokus der Sitzungen. Als Ergebnis der Besprechungen wurde entschieden, die Strategie der Bundesregierung zur internationalen Berufsbildungszusammenarbeit um das Thema Fachkräftegewinnung im Ausland zu erweitern. Mit dieser strategischen Weiterentwicklung befassten sich die Ressorts in zwei RT-R-Sitzungen vertieft. GOVET erarbeitete hierzu in enger Abstimmung mit den Ressorts einen Entwurf für die angepasste Strategie, der in der Sitzung des RT-R am 19.03.2026 auf Arbeitsebene finalisiert wurde.
Auch auf Ebene des Runden Tischs der Akteure (RT-A) waren Qualifizierung im Ausland und das Zusammenspiel von iBBZ und Fachkräftemigration zentrale Diskussionspunkte. Darüber hinaus standen die 2025 verabschiedete Herning-Erklärung zur strategischen Neuausrichtung der Berufsbildungszusammenarbeit in der EU sowie Präsentationen verschiedener Akteure zu ihren Projekten in der iBBZ auf der Agenda.
Vernetzung weltweit: Runde Tische an Auslandsvertretungen
Neben dem Runden Tisch im Inland bestehen zurzeit etwa 25 Runde Tische an deutschen Auslandsvertretungen (RT-A) und in Einzelfällen an Auslandshandelskammern. Sie dienen der operativen Abstimmung deutscher Akteure in den jeweiligen Partnerländern und sind ebenfalls Bestandteil der Strategie der Bundesregierung. Die Verantwortung liegt beim Auswärtigen Amt.
GOVET unterstützte diese Formate 2025 durch fachliche Vorbereitung und Beratung und beteiligte sich mit Beiträgen an einzelnen Sitzungen. Zu nennen sind beispielsweise Georgien, Ghana, Kasachstan und Mexiko.
GOVET-Fachdialoge: Direkter Austausch, maßgeschneidert
Die GOVET-Fachdialoge ermöglichen einen individuell abgestimmten fachlichen Austausch für Einzelpersonen oder kleine homogene Gruppen. Neben der Einführung in die deutsche Berufsbildung und Berufsbildungszusammenarbeit dienen sie der regionalen Vernetzung und dem verbesserten Informationsaustausch.
Im Dezember 2025 wurden für Mitarbeitende an deutschen Auslandsvertretungen vier virtuelle Fachdialoge organisiert (Europa, Asien, Amerikas, Afrika). Diese richteten sich insbesondere an neue Referentinnen und Referenten, standen aber auch anderen Mitarbeitenden offen.
Auch mit einzelnen Akteuren des Runden Tisches führte GOVET 2025 Fachdialoge durch, unter anderem mit der deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) und dem Auswärtigen Amt. Zudem wurden auf Nachfrage ausländische diplomatische Vertretungen im Rahmen von Fachdialogen über die deutsche iBBZ informiert, so im Jahr 2025 die Botschaften Chinas, Kasachstans, Malaysias, der Malediven und Usbekistans.
Fachseminare: Wissen vertiefen, Perspektiven erweitern
Ergänzend zu den regulären Sitzungen der Runden Tische organisierte GOVET als Geschäftsstelle des Runden Tisches 2025 vier virtuelle Fachseminare:
- „Lernen von Anderen in der iBBZ“
- „Nutzung von Künstlicher Intelligenz in der Berufsbildung und der internationalen Berufsbildungszusammenarbeit“
- „Unabhängige China-Kompetenz vor dem Hintergrund des wachsenden Einflusses Chinas auf die globale Wirtschaft“
- „Insights in the German VET system and the implementation of the Youth Guarantee Programme in Germany“ (gemeinsam mit der European Training Foundation, ETF)
Die GOVET-Fachseminare dienen nicht nur der fachlich fundierten Vertiefung aktueller Themen, sondern fördern auch gezielt die Transparenz zwischen den Akteuren sowie die gemeinsame Entwicklung von Ideen und Lösungsansätzen.
Teilnehmende waren auch im Jahr 2025 Vertreterinnen und Vertreter von Mitgliedsorganisationen des Runden Tisches, Landesministerien der Bundesländer sowie deutschen Auslandsvertretungen. Das ETF-Seminar richtete sich insbesondere an Berufsbildungspersonal aus Partnerländern der ETF im westlichen Balkan und angrenzenden Regionen.
Das GOVET-Fachseminar zur KI in der internationalen Berufsbildungszusammenarbeit bot einen spannenden Mix aus Praxis und Forschung und interessante Perspektivenwechsel. Das Meet-up zeigte, dass KI längst angekommen ist: in der Ordnungsarbeit, in Lernwelten oder mit Chatbots wie Aidy, und das nicht nur in Deutschland, sondern europa- und weltweit.
Christoph Krause, Leiter Mittelstand-Digital Zentrum Handwerk der Handwerkskammer Koblenz
Um die Ergebnisse der Facharbeit dauerhaft und transparent zugänglich zu machen, hat GOVET 2025 die Online-Dokumentation der Fachseminare neugestaltet. Hier lassen sich nun gebündelt Präsentationen, Zusammenfassungen und weiterführende Informationen im Nachgang ausgewählter Seminare finden. weiterlesen: Fachdialoge und Fachseminare
Bund-Länder-Dialog: wachsendes Interesse an der iBBZ
Um den direkten Austausch zwischen Bundesressorts und den Länderministerien, die auch in der internationalen Berufsbildungszusammenarbeit (iBBZ) aktiv sind, zu stärken, fand im Oktober 2025 erneut ein virtueller Bund-Länder-Dialog statt. Vertreterinnen und Vertreter aus zehn Bundesländern und vier Bundesministerien nahmen teil.
In den letzten Jahren haben die Schnittstellen zwischen Bund und Ländern in der iBBZ an Bedeutung gewonnen, insbesondere aufgrund der zunehmenden Bezüge zur Fachkräftegewinnung.
Fachtag Bildungswirtschaft: Austausch mit den privaten Bildungsdienstleistern in der iBBZ
Im März 2025 organisierte die GOVET zusammen mit iMOVE erstmals einen virtuellen Fachtag für die Unternehmen der Bildungswirtschaft, die ein wichtiger Akteur und Partner der iBBZ sind. Der Fachtag bot den Unternehmen die Möglichkeit Fachthemen zu vertiefen, Schwerpunkte waren Zertifizierung und Nachhaltigkeit in der Berufsbildung.
Weiterentwicklungen: Länderstrategien und Online-Dokumentation
Ein weiterer Schwerpunkt des Runden Tisches lag 2025 auf der Überarbeitung der Länderstrategien für die internationale Berufsbildungszusammenarbeit (iBBZ) Deutschlands. Die Neufassungen für Mexiko, Indien, USA und Italien wurden erarbeitet und zwischen den Akteuren abgestimmt. Damit wurde ein wichtiger Beitrag zur strategischen Ausrichtung und Kohärenz des deutschen Engagements in diesen Partnerländern geleistet.