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Arbeitsmarktintegration von Zugewanderten, Geflüchteten und benachteiligten Gruppen – Deutschland und Israel im Vergleich

Ein Fachaustausch von Berufsbildungsexpert*innen aus Deutschland und Israel im Rahmen des Programms der deutsch-israelischen Berufsbildungskooperation war Grundlage für Handlungsempfehlungen zur Arbeitsmarktintegration von Zugewanderten.

Arbeitsmarktintegration von Zugewanderten, Geflüchteten und benachteiligten Gruppen – Deutschland und Israel im Vergleich

Seminar zum Thema „VET and social integration of refugees and immigrants in Germany and Israel“

Ein dreitägiges Seminar in Tel Aviv beschäftigte sich im Oktober 2017 mit Maßnahmekonzepten und Good-Practice-Projekten beider Länder zu den Themenschwerpunkten Spracherwerb und Berufsvorbereitung sowie Beratung/ Begleitung. Expert*innen der programmatischen und operativen Ebene beider Länder diskutierten Erfolgsfaktoren, Programmstrukturen und Transfermöglichkeiten.

Praktiker*innen und Vertreter*innen der zuständigen Ministerien aus beiden Ländern kamen zusammen, stellten die Themen vor und diskutierten miteinander. Trotz verschiedener Systeme konnten bei näherer Betrachtung der israelischen Projekte wertvolle Einblicke und neue Impulse für die deutsche Seite auf Projekt- sowie Programmebene gewonnen werden.

Am 23. Oktober wurde das Seminar von Susanne Burger vom Bundesministerium für Bildung und Forschung auf deutscher und Shooly Eyal, dem Leiter des Manpower Training and Development Bureau (MTDB) auf israelischer Seite eröffnet. Der erste Seminartag wurde genutzt, um mit Vorträgen zur Arbeitsmarktintegration in beiden Ländern eine Wissensgrundlage zu schaffen, an die angeknüpft werden konnte.

Weiterhin wurde an diesem Tag das Thema Spracherwerb in beiden Ländern auf programmatischer und operativer Ebene mit insgesamt vier Fachvorträgen behandelt und diskutiert. Dabei präsentierte Iris Beckmann-Schulz von der IQ Fachstelle Berufsbezogenes Deutsch die Sprachkursformate in Deutschland und Judith Hochstein die Methodik und Didaktik der Sprachkursangebote des Trägers GFBM gGmbH. Auf der israelischen Seite führte Avri Polacheck, pädagogischer Leiter des MTDB, in hebräische Immersionsprogramme für verschiedene Zielgruppen ein und Yelena Pergament für die Jewish Agency in den Integrationsprozess der jüdischen Zuwander*innen.

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Seminarteilnehmer*innen während der Gruppenarbeit

Als Abschluss des Seminartages wurde das Thema Berufsvorbereitung in Deutschland dargestellt, wobei Ulrich Eberle von der Bundesagentur für Arbeit die Programmatik vorstellte und Anja Heinicke von der Handwerkskammer Potsdam auf die Praxis des von ihr geleiteten PerjuF Projektes einging.

Am 2. Seminartag wurden Projekte vor Ort besucht. Fragen konnten nun direkt mit den israelischen Praktiker*innen ausgetauscht werden. Das Riyan Center des Programms Al-Fanar in der israelisch-arabischen Kleinstadt Tira wurde von der Programm-Managerin Ella Eyal Bar-David und den Managern des Centers, Samah Heib-Jaljouli und Nibras Taha vorgestellt, die selbst aus der arabisch-israelischen Gemeinschaft stammen. Es gibt derzeit insgesamt 21 solcher Zentren in ganz Israel, dort werden Kurse zur Berufsvorbereitung für arabische Israelis, vor allem Frauen, angeboten.

Selbst die Mittagspause wurde genutzt, um Eindrücke von israelischen Projekten zu sammeln. In dem Erfolgsprojekt der Culinary School in Tira werden Konditor*innen und Köch*innen ausgebildet, die ihr Handwerk bei den Seminarteilnehmenden unter Beweis stellen konnten.

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Unterhaltung mit den Auszubildenden der Culinary School

Am Nachmittag wurde das Absorption Center Beit Brodetsky in Tel Aviv besucht. Hier können jüdische Zuwander*innen für die ersten 6 Monate nach ihrer Ankunft unterkommen, Hebräisch lernen und Hilfe für das Einleben erfahren. Nachdem die Gruppe durch Anat Carmel-Kagan und ihre Kollegin einen Eindruck bekam, wie sich die erste Zeit in Israel für die jüdischen Zuwander*innen (Olim) nach der Aliyah – der Rückkehr der jüdischen Menschen nach Israel – gestaltet, stellten drei Olim ihre persönlichen Geschichten dar. Die häufigste Einwanderung in der Geschichte Israels fand auf diesem Weg statt und insbesondere die Zuwanderung von ca. 1 Million jüdischen Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion in den 1990er Jahren stellte die mitunter größte integrative Herausforderung für das kleine Land dar.

Der dritte und letzte Tag am 25. Oktober startete mit dem Besuch des Maltav Berufsausbildungszentrums in Holon, welches nach dem Vorbild von überbetrieblichen Berufsbildungsstätten in Deutschland konzipiert wurde. Die Gruppe wurde vom Manager des Zentrums, David Bonali, in Empfang genommen und besichtigte Übungswerkstätten im Bereich Metallbau, Konstruktion und Modedesign. Direkt im Anschluss fand die Abschlussdiskussion mit israelischen Teilnehmenden des MTDB und der deutschen Delegation statt, in dem die gewonnenen Eindrücke und Transfermöglichkeiten diskutiert wurden.

Vorstellung von Metallarbeiten im Maltav Berufsausbildungszentrum
Vorstellung von Metallarbeiten im Maltav Berufsausbildungszentrum

Statements einiger Teilnehmerinnen und Teilnehmer:

  • „Ich nehme persönlich und beruflich viel mit, habe viele Anregungen für die Arbeit in unserem Projekt bekommen – Stichworte: Role Models, Zieldefinition. Vielen Dank für die tolle Organisation und diese Chance!“
    Angela Dovifat, Goldnetz gGmbH
  • „Durch die interdisziplinäre und institutionelle Zusammensetzung der deutschen Delegation gab es die Möglichkeit zu einem intensiven und vielfältigen Austausch sowie zur punktuellen Analyse der deutschen Förderverwaltung. Insgesamt ein hoher Grad an Vernetzung!“
    Iris Beckmann-Schulz, passage gGmbH
  • „Im Rahmen des dreitägigen Seminars haben wir durch interessante und vielseitige Vorträge, Diskussionen, Workshops und Besichtigungen wertvolle Einblicke in die Arbeit der verschiedenen Organisationen erhalten, aus denen deutlich wurde, wie professionell die Integration von Migrant*innen und Minoritäten in die Berufswelt in Israel strukturiert wird.“
    Frank Rogall, MTU
  • „Viele Informationen, die es jetzt unter Kolleg*innen und insgesamt an die GFBM weiterzugeben gilt. Ich werde versuchen, Teilnehmende noch konsequenter auf kurze zielführende Wege, insbesondere die Näherbringung realer Beschäftigungsmöglichkeiten, zu bringen und mehr auf Bedarfe als Wünsche zu achten.“
    Judith Hochstein, GFBM gGmbH